Braunschweig verbietet Massen-Picknick
Ein Braunschweiger Künstler sorgt derzeit in der Internet-Gemeinde für Furore. Über ein Online-Netzwerk hatte er zum Picknick vor der Schlosskulisse aufgerufen. Die Stadt aber droht, die Spontan-Aktion notfalls polizeilich auflösen zu lassen. Im Internet überschlagen sich die Meldungen über die Braunschweiger Ordnungshüter, die sich nun gegen den Vorwurf wehren müssen, Spaßbremsen zu sein.
Flashmobs – Blitzaufläufe – heißen solche Spaßversammlungen, wie sie seit einigen Jahren über Internet-Foren organisiert werden. Da wird etwa zum zehnminütigen Frisbee-Spiel auf dem Kohlmarkt aufgerufen oder zum Leersaufen einer Kneipe. Rund 70 kamen schon einmal – von den Behörden unbemerkt – mit Decken und Picknick-Körben – zum friedlichen Flashmob auf den Schlossplatz, wie Organisator Dirk Schadt über Internet verlauten lässt.
Stadt fürchtet um Erscheinungsbild des Schlossplatzes
Vom jüngsten, für den August geplanten zweistündigen Schloßplatz-Picknick indes bekam der zuständige Fachbereich für Bürgerservice und Öffentliche Sicherheit Wind – und untersagte den Spaß unter Hinweis auf die auch für den Schlossplatz geltende Sondernutzungssatzung, die das Erscheinungsbild besonderer Plätze in Braunschweig schützen soll.
„Ein solches Picknick ist nicht genehmigungsfähig“, verweist der zuständige Erste Stadtrat Carsten Lehmann auf ein fehlendes öffentliches Interesse. Durch Internet-Schlagzeilen wie „Flashmobs in Braunschweig verboten“ oder „Party-Angst in Braunschweig“ fühlen sich die Vertreter der Ordnungsbehörde missverstanden. “Wir sind keine Spaßbremser, sondern haben auf einen Einzelfall reagiert“, betont Lehmann. Braunschweig verbiete nicht generell Flashmobs auf öffentlichen Plätzen. So seien sie dort möglich, wo die Sondernutzungssatzung nicht gelte.
Initiator erwägt laut Stadt Protest-Picknick wegen Picknick-Verbot
Und selbst auf dem Schlossplatz könnte sich Lehmann eine kurzfristige Spaß-Aktion vorstellen. Ein zweistündiges Picknick hingegen geht ihm mit Blick auf die vom Rat beschlossene Satzung zu weit.
Organisator Dirk Schadt plant nun offenbar einen Schildbürgerstreich: ein Picknick auf dem Schlossplatz als Protest gegen das Picknick-Verbot zu deklarieren. Stadtsprecher Adrian Foitzik bestätigt, dass eine solche Versammlung für Ende August angemeldet wurde. Es solle aber nur im „kleinen Kreis“ gepicknickt werden, sagt Dirk Schadt. Nur maximal „8 bis 10 Freunde“ würden eingeladen.
Verbindet der Organisator ein Picknick mit einer Meinungsbekundung, steht ihm rechtlich wohl nichts im Wege. Denn die Meinungskundgebung ist vom Versammlungsrecht gedeckt. Das Sondernutzungsrecht trete hinter dieses Grundrecht zurück, heißt es. Carsten Lehmann: „Eine solche Versammlung wäre nach unserer Prüfung möglich.“
Im April dieses Jahres fand allerdings schon einmal eine Flashmob-Aktion auf dem Schlossplatz statt: Am so genannten World-Freeze-Day versammelten sich auf dem Platz mehrere hundert Menschen, um auf ein Signal hin fünf Minuten lang in absolutem Stillstand auszuharren.
- Öffentliches Forum der Bürgerinitiative Braunschweig, in dem über das Picknick-Verbot diskutiert wird
- Youtube-Video zu einem Flashmob auf dem Braunschweiger Schlossplatz im April dieses Jahres
- Youtube-Video zu einem Flashmob in Köln, bei dem sich Tausende Menschen eine Kissenschlacht lieferten
- Youtube-Video zum Flashmob in Leipzig, bei dem im Hauptbahnhof zahlreiche Teilnehmer in Stillstand verharrten
- Youtube-Video zu einem Flashmob in Stade, bei dem Hunderte Menschen ein Fast-Food-Restaurant stürmen













