Heimat für Muschel und Bitterling
Jürgen Wagner engagiert sich für Artenschutz und Artenvielfalt in heimischen Gewässern
GIFHORN. Schon die Visitenkarte ist ungewöhnlich: Bei Jürgen Wagner sind ein Bitterling, bedrohter Kleinfisch in hiesigen Gewässern, und eine heimische Flussmuschel darauf abgebildet. Das Kärtchen ist Programm. Jürgen Wagner lebt und arbeitet ehrenamtlich für die Natur.
Da ist viel Aufklärungsarbeit zu leisten, zum Beispiel in Schulen. Da gibt es Lehrer, die kennen die Flussperlmuschel nicht. Obwohl diese doch bei uns zu Hause ist. Noch. Und da gibt es Kinder, die nicht wissen, dass eine Muschel leben kann. "Herr Wagner hat uns lebendige Muscheln gezeigt. Sie kriechen noch langsamer als die Schnecken", schrieb die kleine Anna in einem Dankesschreiben.
Damit sind wir schon mittendrin. Damit Jürgen Wagner noch lange von Bitterling, Muschel und all den anderen erzählen kann, müssen unsere heimischen Gewässer geschützt werden. Mehr noch: Sie werden wieder hergerichtet, so wie es früher war. Wenn Barrieren verschwinden, können sogar Lachse und andere Wanderfische wiederkommen.
Das ist Jürgen Wagners Domäne und Leidenschaft der praktizierte Naturschutz. Da ist er dabei, wenn Altarme der Aller wiederhergestellt werden, da werden Jungfische ausgesetzt, Fischtreppen gebaut und gewartet, Arten gezählt, Gewässer gereinigt. Und, und, und. Doch es geht entscheidend auch darum, Wissen und Informationen zu vermitteln. "Viele Zeitgenossen und vor allem Kinder kennen die heimischen Arten ja gar nicht mehr", weiß Jürgen Wagner.
Gewiss, vom Lachs haben viele Menschen gehört. Der soll jetzt wiederkommen. Es sieht gar nicht einmal schlecht aus, nachdem der Lachsförderverein Niedersachsen mit seiner Arbeit Maßstäbe gesetzt hat. Einer der Streiter ist Jürgen Wagner. "Wir wollen, dass alle Wanderfische wieder von der Quelle bis zur Mündung aufsteigen können", sagt er. Rund 70 Prozent der Barrieren in der Oker sind schon beseitigt. Bis 2006 soll der Weg endgültig frei sein.
Ja, der Lachs. Aber kennen Sie die Quappe? Das ist auch ein heimischer Wanderfisch, der einzige im Süßwasser lebende Dorschverwandte. Bei Jürgen Wagner lernen wir, dass auch die Quappe von der Schunter über die Oker Richtung Meer ziehen möchte.
Ehe wir uns verplaudern, aber noch die Fakten: Wagner, beruflich Anlagenführer bei VW, ist praktisch Mann für alles im Angler-Sportverein (ASV) Gifhorn, dazu Naturschutzbeauftragter für den Landkreis Gifhorn-Süd und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Fischartenschutz. Der Vater von drei erwachsenen Söhnen ist im Vorstand des Zusammenschlusses der Naturschutzverbände im Landkreis Gifhorn und Artenschutzbeauftragter des Landessportfischerverbandes in der Region Braunschweig.
Die Liste seiner Ämter, Tätigkeiten, Ehrungen und Auszeichnungen, darunter der Feldschlößchen-Naturschutzpreis, umfasst 72 Posten. Das können wir aus Platzgründen gar nicht alles drucken
Und dennoch ist so ein Brief wie der von der kleinen Anna für ihn der schönste Lohn. Denn er zeigt, dass sich der Einsatz für die Natur wirklich lohnt.













