In Braunschweig flog der Airbus schon
Forschungsflugzeug hatte die Daten des Riesen A 380 im Rechner und schulte Testpiloten
BRAUNSCHWEIG. Mit einem märchenhaften Schauspiel erlebte Europas neuer Überflieger, der Airbus A 380, in Toulouse seinen ersten Auftritt vor der Weltöffentlichkeit. Flügge wurde er in Braunschweig als Computerprogramm an Bord des Forschungsflugzeuges ATTAS.
Das "Roll out", das symbolische Herausfahren aus dem Flugzeughangar, nutzten gestern die Regierungschefs der Airbus-Partner Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien zum Schulterschluss. Doch Airbus-Cheftestpilot Claude Lelaie hatte nur einen Gedanken: Er wird das größte Passagierflugzeug aller Zeiten Ende März tatsächlich fliegen.
Monsieur Lelaie kennt sich aus, denn er war mit dem A 380 bereits vor seiner Fertigstellung in der Luft. Wie ist das möglich? Dies ist einer der wichtigsten Forschungsbeiträge, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig für das neue Flaggschiff der europäischen Luftfahrtindustrie geleistet hat.
In das am Braunschweiger Flughafen stationierte Forschungsflugzeug ATTAS wurden die Entwurfsdaten des A 380 eingegeben. Der in Europa einmalige Jet ist eine Art Luft-Chamäleon: Je nachdem, mit welchen Daten man es füttert, schlüpft es in eine neue Rolle.
Also mutierte die schlanke ATTAS-Maschine des DLR-Instituts für Flugsystemtechnik zum wuchtigen Jumbo, der später einmal zwischen 500 und 850 Passagieren transportieren kann und mit vollen Tanks 550 Tonnen wiegt. Claude Lelaie setzte sich ins Cockpit und staunte nicht schlecht. Die Maschine flog sich wirklich wie ein Riese. Erfahrungen, von denen der Franzose beim Jungfernflug des real existierenden A 380 profitieren kann.
Die fliegende Simulation im Flugversuch ist nur ein Teil der umfangreichen Arbeiten, mit denen auch am Braunschweiger Forschungsflughafen der Weg für den Airbus-Hoffnungsträger geebnet wurde. "Der Standort Braunschweig hat hier einen wichtigen Beitrag geleistet", sagt Prof. Dr. Horst Körner, als langjähriger Leiter des DLR-Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik gestern in Toulouse vor Ort.
Die Erfolgsgeschichte des zweistöckigen Super-Airbus ist eine Geschichte, wie auf einem ganzen Kontinent Grenzen und Konkurrenz für ein ehrgeiziges Ziel aufgegeben werden. An der Entwicklung des Flugzeugs waren insgesamt mehr als 200 000 Menschen beteiligt.
Deutschland liefert das vordere und das hintere Rumpfteil sowie das Seitenleitwerk. Das Mittelteil kommt aus Frankreich. Großbritannien steuert die Tragflächen und Spanien das Heck bei. Darüber hinaus sind mehr als 100 Zulieferfirmen am Bau des Flugzeugs beteiligt. Zusammengebaut wird es in Toulouse. Die Inneneinrichtung wird im Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder eingebaut.
Besonders wichtig war die Frage, ob ein derart großes und schweres Flugzeug auch tatsächlich sicher fliegen kann. Die Ermittlung der tatsächlich im Flug auftretenden dynamischen Lasten war deshalb ebenfalls ein entscheidender deutscher Beitrag.
Er wurde vom DLR in Braunschweig gemeinsam mit der Tochter Deutsch-Niederländische Windkanäle (DNW) geleistet. Im Windkanal wurde ein mit Sensoren gespicktes maßstabgetreues Modell des A 380 so präzise bewegt, dass die Belastung durch alle auftretenden Flugmanöver im tatsächlichen Betrieb exakt ermittelt werden konnte.
So erfolgreich geschieht dies in Braunschweig, dass Airbus Industries auch künftige Modelle hier durchrechnen lässt, noch bevor sie entstehen und aufsteigen.
Dies gilt etwa für den Transport- und Militär-Airbus A 400M, der von 2008 an fliegen soll. Eigens für solche Aufträge konstruierten und bauten DLR und DNW im Braunschweiger Windkanal eine weltweit einmalige Simulationsanlage für Flugmanöver. Sie basiert auf von Siemens gelieferter Technologie der Magnetschwebebahn.













