Stabwechsel am Forschungsflughafen
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Schlüsselposition in Braunschweig
BRAUNSCHWEIG. Es ist eine der Schlüsselpositionen in der Region: Gestern fand am Braunschweiger Forschungsflughafen der Wechsel in der Geschäftsführung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) statt.
Die Standorte Braunschweig und Göttingen werden künftig von Dietmar Smyrek (42) geleitet. Er ist Nachfolger von Josef Thomas (65), der gestern in den Ruhestand ging.
Bereits am Vormittag war der Stabwechsel in Göttingen vollzogen worden – am Nachmittag folgte der Wechsel in Braunschweig. Er stand im Zeichen der Zukunft des Forschungsflughafens, die entscheidend vom DLR abhängt.
Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann hob dies besonders hervor. "Das DLR ist der entscheidende Baustein am Forschungsflughafen. Ohne das DLR haben wir nicht die Chance, den Ausbau wie geplant hinzubekommen", sagte er.
Hintergrund ist die juristische Auseinandersetzung um die Verlängerung der Start- und Landebahn. Flughafengegner haben gegen den Planfeststellungsbeschluss Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg eingereicht.
"In dieser Phase brauchen wir gute Argumente. Das wichtigste Argument für den Ausbau ist das DLR mit seinen Erfordernissen", sagte Hoffmann. Dies betrifft das neue DLR-Forschungsflugzeug vom Typ Airbus A 320. Es braucht die verlängerte Start- und Landebahn.
Ins gleiche Horn blies Helmut Heyne vom niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium. "Wir werden den Flughafen ausbauen", sagte Heyne. Das DLR-Forschungsflugzeug sei der Grund für die Startbahnverlängerung, "doch es muss auch eine Hütte hier haben." Zudem gehe es auch darum, ein weiteres DLR-Institut am Forschungsflughafen anzusiedeln. Der stellvertretende DLR-Vorstandsvorsitzende Klaus Hamacher hielt sich in seiner Rede bei diesem Thema bedeckt. Er würdigte den scheidenden Thomas, dessen Engagement die Standorte Braunschweig und Göttingen vorangebracht habe.
Später dann signalisierte Hamacher jedoch, dass das DLR die Braunschweiger Planungen auch weiterhin unterstützen werde.
Wie wichtig die Weiterentwicklung des Forschungsflughafens ist, machte Günther Kasties deutlich, Vorsitzender des Braunschweiger Gesamtzentrums für Verkehr.
Kasties sagte, ohne die auch von Josef Thomas vorangetriebene Bedeutung des Forschungsflughafens wäre es nicht zur jetzt geplanten Ansiedlung des überwiegenden Teils des Niedersächsischen Fahrzeugtechnischen Zentrums gekommen. In ihm stellen sich TU Braunschweig, Volkswagen und Land in Forschung und Lehre gemeinsam auf.
Im Resultat bündelt der Standort die Aktivitäten der Universität, des Konzerns und des DLR sowie weiterer Akteure wie dem Luftfahrtbundesamt, der Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung sowie etlicher Unternehmen.
Hoffmann machte unmissverständlich deutlich, dass dies eines der wichtigsten Projekte der Stadt- und Regionalpolitik sei. In diesem Sinne appellierte er auch an den neuen Geschäftsführer Dietmar Smyrek: "Wir werden noch viel zusammen bewegen."
Josef Thomas fand zum Abschied deutliche Worte: "Wir müssen aufpassen, dass gewonnene Strukturen nicht wieder zerfließen", sagte er. Künftig will er auch am Aufbau eines DLR-Schüler-Labors in Braunschweig mitwirken. Dietmar Smyrek, der aus Salzgitter stammt, war acht Jahre lang Stellvertreter von Josef Thomas in der Geschäftsführung.
STICHWORT: DLR-Forschung
Am Forschungsflughafen in Braunschweig setzt das DLR die Tradition der 1936 gegründeten Deutschen Forschungsanstalt für Luftfahrt mit 850 hoch qualifizierten Mitarbeitern fort. Für experimentelle Untersuchungen stehen unter anderem leistungsfähige Fahr- und Flugversuchsträger sowie fliegende Simulatoren, Luftverkehrssimulations-Anlagen, Fahrsimulatoren und Windkanäle zur Verfügung.













