Braunschweiger Piloten setzen sich für Erhalt des Flughafens Tempelhof ein
30 Flugzeuge starteten Samstag trotz schlechter Sichtverhältnisse von Waggum nach Berlin
Schlechte Sichtflugverhältnisse: Beim Sternflug von Waggum zum Flughafen Tempelhof starteten wegen des Nebels am Vormittag nur 30 statt 70 Maschinen.
Zahlreiche Freizeit-Flieger aus Norddeutschland, die am frühen Vormittag erwartet worden waren, um sich dem Tross in Waggum anzuschließen, hatten ihre Teilnahme abgesagt, da der Himmel nicht aufreißen wollte. Andere trafen mit Verspätung ein.
Die Piloten wollten mit dem Flug gegen die geplante Schließung des Berliner Flughafens Tempelhof am 31. Oktober protestieren. Sie sei ein massiver Angriff auf die Infrastruktur Berlins. Der Sternflug war organisiert worden von Oliver Düvel aus Braunschweig und Edgar Jung aus der Schweiz.
"Für fast alle, die sich mit der zivilen Luftfahrt beschäftigen, ist die Entscheidung des Berliner Senats, den Flughafen Tempelhof zu schließen, nicht nachzuvollziehen", erklärte Reinhard Manlik, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH. "Man schüttelt weltweit den Kopf, dass solch ein Platz mit dieser guten Infrastruktur und unwiederbringlichen Geschichte nicht mehr als Geschäfts- und Regierungsflughafen genutzt werden soll." Auch für Geschäftsleute aus der Region Braunschweig bringe die Schließung Nachteile.
Rund 150 Piloten aus dem In- und Ausland wollten ursprünglich in Tempelhof landen. Die Piloten flogen Berlin auf den drei Korridoren an, die während der "Berliner Luftbrücke" genutzt worden waren. Vom 23. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 hatten während der Berlin-Blockade durch die sowjetische Besatzung Flugzeuge der Allierten zur Versorgung der Bevölkerung rund 2,34 Millionen Tonnen Fracht nach West-Berlin transporiert.
Ursprünglich sollten am Samstag etliche Flugzeuge vom Militärflughafen Celle aus starten, einem der Ausgangsflughäfen der so genannten Rosinenbomber (englisch: Candy Bomber). Die Flughafenleitung in Celle musste jedoch ihre Zusage für den Sternflug aufgrund der hohen Teilnehmerzahl zurückziehen, und die Veranstalter entschieden sich für den Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. Der Braunschweiger Flughafen lag damals in einer Sperrzone und war somit als Luftbrücken-Standort ausgefallen.
Pilot Hans Bertram erinnerte sich, dass er als Kind in der Magdeburger Börde die Luftbrücken-Flüge beobachtet habe. Vor vier Wochen hatte der 76-Jährige, Mitglied des Braunschweiger Aero-Clubs, bereits mit einem Doppeldecker an einem ähnlichen Sternflug nach Tempelhof teilgenommen. "Tempelhof liegt mitten in Berlin. Werks- und Firmenflugzeuge landen direkt in der Stadt, und die Geschäftsleute verlieren somit keine Zeit", verweist Bertram auf den Wirtschaftsfaktor des Flughafens Tempelhof.
Zahlreiche Zuschauer hatten sich am Samstag auf der Flughafen-Terrasse in Waggum eingefunden, um den angekündigten Massenstart zu beobachten. Geplant waren Starts im 30-Sekunden-Takt. "Schade, dass das Wetter nicht mitspielt", bedauerte Manlik, der die Enttäuschung der Zuschauer nachvollziehen konnte.













