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13. Februar 2012
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Details des Asse-Skandals

Politik wusste schon in 1960er-Jahren, dass die Schachtanlage nicht geeignet ist

Von Henning Noske

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BRAUNSCHWEIG. Rückholung des Atommülls, Umlagerung im Bergwerk oder Verfüllung der Schachtanlage Asse mit Beton – zwischen diesen drei Optionen ist noch keine Entscheidung gefallen.

Derzeit werden diese drei Möglichkeiten verglichen, erörtert, in ihren Konsequenzen abgewogen – "mehr kann ich Ihnen heute Abend nicht verraten", sagt Dr. Ulrich Kleemann, seit März Technischer Geschäftsführer der Asse GmbH.

Der Geologe – bis zu seinem Feuerwehr-Einsatz Sicherheits-Spezialist des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter – spricht bei der Ringvorlesung der TU Braunschweig über "Endlagerung von Atommüll – Krise ohne Ende?"

Wenn also auch die mit Spannung erwartete Antwort auf die entscheidende Frage gestern Abend noch nicht gegeben wird, so erfahren die Zuhörer im gut besetzten Hörsaal im "Haus der Wissenschaft" durchaus Neues.

So stellt sich immer mehr heraus, wie sehr es Bedenken gegen die Eignung der Schachtanlage als Atommülllager bereits in den 1960er- und 1970-Jahren gab – und wie sehr diese unter zum Teil skandalösen Begleiterscheinungen in den Wind geschlagen wurden.

1965 sah sich die Bundesanstalt für Bodenforschung veranlasst, eine hydrogeologische Bestandsaufnahme der Asse zu fordern.

Schon 1964 wies das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung auf die gefährdete Standsicherheit und die hohen Mengen des Wasserzutritts hin.

Und 1966 wurden die großen Bedenken, die die Asse als geeignetes Lager eigentlich ausgeschlossen hätten, mit dem Hinweis auf die Bedürfnisse der Atom-Industrie beiseite geschoben. Man könne getrost beginnen, weil die Einlagerung "als Forschung läuft".

Bei einem Unfall im April 1966 brachen 30 Meter Schachtleitung, ein Förderkorb wurde beschädigt, Menschenleben waren in Gefahr. Schon sondierten Verantwortliche in Bonn, man solle sich erkundigen, "wann das nächste Salzbergwerk stillgelegt wird". Die Asse konnte es schließlich auf keinen Fall sein.

Es kam anders, wie die Menschen in unserer Region heute wissen. 1967 beginnt die Einlagerung, bereits 1968 ist die erste Schachtsanierung fällig. Und eine Geschichte der Notreparaturen, Flickschustereien beginnt – und der Vertuschung.

Asse-Mitarbeiter wussten es schon früh – Kleemann berichtet von einer Mitarbeiterbefragung 2008. "Bereits 1964 wurde Lauge von 750-Meter-Sohle ins große Laugenloch auf 775-Meter-Sohle gepumpt", heißt es dort unter anderem. Oder: "Es wurden anfangs korrodierte Fässer angenommen, dabei wurden Fässer beschädigt". Und: "Ganz im Westen gab es schon vor 1982 Laugensümpfe". Diese wurden vor 1988 nach Mitarbeiterschilderungen "nur unregelmäßig beprobt und dem Versatzmaterial beigemengt".

Insgesamt eine Geschichte, die für Kleemann kein Ruhmesblatt der Demokratie und der politischen Kontrolle darstellt. Die größte Gefahr sei jetzt die Zunahme des Wasserzutritts. Also müsse schnell gehandelt werden – "bis 2020 haben wir nicht Zeit". Das verlorene Vertrauen könne man nur durch weitestgehende Transparenz zurückgewinnen.

Die Ringvorlesung der TU wendet sich ausdrücklich an interessierte Bürger der Region. Am Montag, 7. Dezember, spricht Professor Martin Korte über "Denken, Lernen, Vergessen: Über den Umgang von Gehirnen mit Krisen". Ort: Haus der Wissenschaft, Braunschweig, 18.30 Uhr.

Dienstag, 24.11.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11316153/menuid/10200370
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