Jugendgruppenleiter wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht
Mit gekrümmtem Rücken steht ein 45 Jahre alter Mann an der Anklagebank. Als die Richter am Freitag den Gerichtssaal am Landgericht in Hannover betreten, nickt der ehemalige Jugendgruppenleiter der evangelischen Kirche jedem Rechtsvertreter ehrfürchtig zu.
Der gelernte Bäcker muss sich wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, vier Jungen in 15 Fällen in Hannover und anderen Orten missbraucht zu haben. Der Mann sitzt seit etwa fünf Monaten in Untersuchungshaft.
Zur Tatzeit zwischen 1993 und 2008 waren die Jungen zwischen neun und 15 Jahre alt. Die Opfer traf der Jugendgruppenleiter, wie Staatsanwältin Kirsten Kretzschmar sagte, bei der „Jugendschaft“. „Durch eine Vielzahl von Geschenken machte er sie gefügig.“ Der Mann habe nicht nur sexuelle Handlungen an den Kindern vorgenommen, sagte sie. Er habe sich auch von den Kindern befriedigen lassen.
Der gelernte Bäcker soll unter anderem Oral- und ungeschützten Analverkehr gehabt haben. Letzteres hielt der Mann mit Kameras fest und steckte die Bilder in ein Fotoalbum. Zudem sollen auf dem Computer des Mannes auch pornografische Videos gespeichert gewesen sein. Die habe er einem Jungen gezeigt und anschließend mit ihm Hand- und Oralverkehr vollzogen. Als der Vorsitzende Richter den Angeklagten fragt, ob er sich zu den Vorwürfen äußern wolle, antwortet er leise in das Mikrofon: „Ja, möchte ich.“
Die Anwältin der Nebenklage verspricht sich für die Opfer vor allem, dass sie das Geschehene aufarbeiten können. Sie glaube, dass in allen Institutionen ein gewisser Hang bestehe, nach außen hin als integer dazustehen und vieles nicht aufzuklären. „Das ist in Kirchen und Schulen noch gravierender als vielleicht in den Sportvereinen oder bei der Feuerwehr“, sagt sie.
Der Prozess wird am kommenden Dienstag, 3. August, fortgesetzt. dpa













