Maisfeld-Besetzer halten die Stellung
Die Aktivisten, die in der Nacht zu Freitag ein Feld für gentechnisch veränderten Mais in Braunschweig besetzt haben, bleiben weiterhin auf dem Gelände des Von-Thünen-Institutes an der Bundesallee. Ihre Aktion war lange vorbereitet.
Seit Dezember liefen die Planungen für die Feldbesetzung in Braunschweig, berichten die Aktivisten. In der Nacht zu Freitag schnitten sie dann ein Loch in den Zaun des Forschungsgeländes, brachten Baumstämme auf das Feld und errichteten daraus einen dreibeinigen Protest-Turm. Darunter gruben sie eine Betonpyramide in den Boden ein, an die sie sich bei einer drohenden Räumung unterirdisch anketten wollen. Etwa 20 Personen seien an den Aufbauarbeiten beteiligt gewesen.
Die Feldbesetzer betonen, dass sie keine feste Gruppe sind. Einige von ihnen
stammten aus der Region Braunschweig, andere seien aus Göttingen und ganz
Deutschland zu der Feldbesetzung gekommen. Auch der Antrieb, gegen den Anbau
gentechnisch veränderter Pflanzen mit einer solchen direkten Aktion vorzugehen,
sei nicht einheitlich.
„Dass die Agrarministerin jetzt die Gen-Maissorte Mon-810 verboten hat, ist
doch eine rein populistische Entscheidung“, meint Jörg Bergstedt. Der Aktivist
aus der Nähe von Gießen war schon bei mehreren Besetzungen dabei. „Der große
amerikanische Konzern Monsanto wird jetzt mit seinem Mais symbolisch an den
Pranger gestellt, dabei gibt es auch genügend deutsche Firmen, die mit
genveränderten Pflanzen rücksichtslos Geld verdienen wollen.“
Alexandra aus
Eilum im Elm ist Bio-Gemüsegärtnerin und darum bei der Feldbesetzung dabei. An
eine saubere Trennung von genveränderten Pflanzen und okölogischem Anbau glaubt
sie nicht. „Tiere halten sich nicht an Zäune oder Grenzen. Sie tragen die Samen
der veränderten Pflanzen überall hin“, sagt sie. Festgelegte Grenzwerte hält sie
in diesem Zusammenhang für eine Mogelpackung.
Die Stimmung unter den 9 auf dem Feld verbliebenen
Gentechnik-Gegnern ist am Freitagvormittag entspannt. Es sei die erste
Feldbesetzung in diesem Jahr, die nicht in kürzester Zeit von der Polizei
beendet wurde, sagen sie.
Ein Streifenwagen ist vor Ort, die Beamten
beobachten die Lage, greifen jedoch auch dann nicht ein, als Unterstützer der
Aktivisten am Nachmittag Zelte und Nahrungsmittel über den Zaun an der
Bundesallee hieven.
„Wir sind nicht an einer Eskalation der Lage interessiert“, sagt Michael Welling, Sprecher des Von-Thünen-Institutes. Das weitere Vorgehen gegen die Besetzung werde beraten. Gegen friedliche Mahnwachen oder Demonstrationen vor dem Gelände, wie sie für den morgigen Samstag vorgesehen seien, habe man nichts, so Welling. Aber die Aktivisten hätten Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch begangen. Außerdem sei das stets vorgebrachte Argument nicht nachvollziehbar, dass man zu wenig über mögliche Auswirkungen der Gentechnik wisse, wenn gleichzeitig die Forschung dazu durch eine Besetzung verhindert werden soll, so Welling.
Einen umfassenden Überblick über Hintergründe und Grenzen der Genforschung lesen Sie in der morgigen Samstags-Ausgabe unserer Zeitung.











