"Vom Notfall noch weit entfernt"
Die böse Überraschung im Schacht wartete auf 658 Metern.
„An der
Hauptzutrittsstelle sind für die vergangenen 24 Stunden rund 11,4 Kubikmeter
Zutrittswässer gemessen worden“, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz am
Freitag mit. Das sei eine Erhöhung von rund einem Kubikmeter gegenüber dem
Vortag.
Das klingt sehr technisch und nach einem Detail, könnte aber ein Alarmzeichen sein. Der Zufluss von Lauge aus dem Deckgebirge in die Asse an drei Stellen gilt als erhebliches Sicherheitsrisiko für das Atommülllager. „Die Situation ist sehr ernst. Wir haben ein Bergwerk, das einzustürzen droht, ein Bergwerk, in das täglich 12 000 Liter Wasser eindringen“, so Bundesamts-Präsident Wolfram König zum Jahresbeginn anlässlich der Übernahme der Asse.
„Nicht nur der unklare Zulauf des Wassers in der Asse macht einen Notfallplan unumgänglich, auch das Atomrecht schreibt Vorbereitungen für den schlimmsten Fall vor“, heißt es beispielsweise in der Broschüre „Asse-Einblicke“ (Ausgabe 05/09) des Bundesamtes, das die Asse seit Januar 2009 betreibt. Der schlimmste Fall wäre nach gegenwärtigen Planungen ein Zufluss von mehr als 500 Kubikmetern pro Tag. Dann drohte der Schacht mitsamt Atommüll abzusaufen. Seit 1988 fließen rund 12 Kubikmeter pro Tag.
„Nach derzeitiger Einschätzung ist die Entwicklung nicht dramatisch“, betont Bundesamts-Sprecher Werner Nording. Schwankungen beim Zufluss der Lauge könnten immer wieder auftreten, ähnliche Mengen seien dort schon 2003 gemessen worden. Die Lauge wird in Speicherbecken gesammelt und zum Abtransport in Container gepumpt.
„Wir sind derzeit schon in der Lage, einen Zufluss von 100 Kubikmetern pro
Tag zu beherrschen“, betont denn auch Asse-Geschäftsführer Hans-Albert Lennartz.
Bis zu 500 Kubikmeter pro Tag in den Griff zu bekommen, wird im Zuge einer
Notfallplanung bereits seit längerem vorbereitet – vorsorglich.
Zwar betont
das Bundesamt, die Erhöhung habe keine sicherheitstechnischen Auswirkungen. „Wir
beobachten und lassen Messungen durchführen“, sagen aber Nording und
Lennartz.
„Das BfS hat schnell informiert“, lobt Asse-II-Kritiker Udo Dettmann von den Bürgerbewegungen. Bewerten könne man die Entwicklung noch nicht, so Dettmann. Nach Alarmstimmung klingt das noch nicht. Probleme gibt es nicht nur mit Lauge. Beim Mischen von Sorelbeton zur Stabilisierung von Hohlräumen verstopften mehrfach 360 Meter lange Leitungen. Wegen des Zeitdrucks könnten neue Verfahren nicht durch langwierige Versuchsreihen erprobt werden, teilte das Bundesamt dazu bereits mit.













