Drei Varianten für das Asse-Aus
Die Planungen für eine Schließung des einsturzgefährdeten Atommülllagers Asse kommen in eine entscheidende Phase. Drei Möglichkeiten gibt es, die Schachtanlage mit rund 126.000 Atommüll-Fässern dauerhaft stillzulegen. Am Freitag legte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Studien dazu vor.
Welche Methode die Behörde für die beste und sicherste hält, soll dann im
Dezember entschieden werden.
Da die Grube instabil ist und Wasser eindringt, stehen die Fachleute unter
Druck. „Wir bewegen uns in einem engen Zeitkorsett“, sagte BfS-Präsident Wolfram
König am Freitag in Hannover. Die Gutachter stellten ihre Studien zur Schließung
der Asse am Nachmittag in Schöppenstedt bei Braunschweig der Öffentlichkeit vor.
Anlieger und Initiativen reagierten überwiegend positiv auf die Untersuchungen.
In der Diskussion ist das Herausholen der Atommüll-Fässer, eine Umlagerung in
tiefere Bereiche des Bergwerks und das komplette Verfüllen der Grube mit
Spezialbeton.
Die Kosten dürfen aus Sicht von Behördenchef König die Entscheidung für eine
sichere Schließung der Asse nicht beeinflussen. Die Politik habe ihm bisher
keine finanziellen Vorgaben gemacht, sagte er. „Das Geld spielt keine Rolle.“
Auch nach dem Regierungswechsel zu einer schwarz-gelben Bundesregierung erwartet
er freie Hand: „Ich kann das nur empfehlen“, sagte König. Das Herausholen der
Atommüll-Fässer, von denen viele kaputt sind und rosten, ist teurer als etwa ein
Verfüllen der Grube mit Beton. Der Naturschutzbund NABU forderte, die
Energiekonzerne sollten an den Kosten für die Sanierung der Asse beteiligt
werden. Schließlich stamme der Großteil des Atommülls unter Tage aus der
Atomindustrie.
Der aus dem Amt scheidende Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte vor kurzem mitgeteilt, es spreche aus seiner Sicht vieles für ein Herausholen der Atommüll-Fässer. Er empfehle seinem Amtsnachfolger, den jetzt angelaufenen Optionenvergleich für die Schließung der Asse weiter zu verfolgen, sagte Gabriel am Freitag in Schöppenstedt. Am Ende müsse eine Entscheidung stehen, „die fachlich und nicht politisch begründet ist“.
Auch die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia
Kotting-Uhl, sagte: „Wenn die Option der Rückholung machbar ist, darf sie auf
keinen Fall an den Kosten scheitern. Sie ist die sicherste Lösung für die
Bevölkerung.“ BfS-Präsident König dagegen wollte am Freitag keine Bewertung der
Gutachten abgeben. „Meine Präferenz ist, so schnell wie möglich Sicherheit zu
haben.“ Eine Vorentscheidung für das Verfüllen der Stollen mit Beton, wie
Kritiker in Schöppenstedt mutmaßten, sei nicht gefallen. Das entbehre jeder
Grundlage, sagte König: „Wir haben nur eine Präferenz. Wir wollen die Asse so
sicher wie möglich schließen.“
Klar ist, dass die Gutachter alle drei Varianten für machbar halten. Dabei
sei auch der Strahlenschutz für Mitarbeiter und Bevölkerung gewährleistet.
Grenzwerte würden nicht überschritten, hieß es. Denkbar ist es laut BfS auch,
die Methoden zu kombinieren. Zentrales Kriterium ist der Nachweis der
Langzeitsicherheit.
Bei der Option der Rückholung etwa kann laut Gutachten schon nach knapp drei
Jahren 70 Prozent der radioaktiven Belastung aus der Asse entfernt werden. Wenn
aber alle Fässer herausgeholt werden sollen, würde das rund acht Jahre und
länger dauern. Bei einem Umlagern des kompletten Atommülls in tiefere Ebenen des
Bergwerks gehen die Gutachter von 15 bis 18 Jahren aus. Bei dem Verfüllen der
Grube wird mit einem Zeitraum von acht Jahren gerechnet.
Das BfS wird die drei Studien nun erst einmal anhand von 18 Kriterien bewerten, dazu gehört unter anderem der Zeitbedarf, die Anfälligkeit für Störfälle, die technische Umsetzbarkeit und Umweltauswirkungen. Ende des Jahres will die Behörde dann entscheiden, was mit dem Atommüll passiert. dpa













