Ex-Chef: Asse sollte 100 Jahre halten
Sein Forscherleben wollte sich Klaus Kühn auch im Rückblick nicht ankratzen lassen. Das Bergwerk als Atommülllager zu nutzen, ist verantwortbar, fasste der "Asse-Papst" zusammen. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Fässer dort bleiben, weder in Anträgen noch Genehmigungen sei vom Rückholen die Rede gewesen.
„Wir haben Einlagerungstechniken erfolgreich erprobt“, sagte der Professor aus Clausthal, von 1973 bis 1995 Leiter des Instituts für Tieflagerung beim Asse-Betreiber GSF, zum Stapeln und späteren „Verstürzen“ von rund 126 000 Fässern in der Asse. Vor dem Asse-Ausschuss des Landtags musste Kühn vor allem Vorwürfe entkräften, die Gefahr von Laugenzuflüssen – und damit den drohenden Einsturz des Bergwerks – gezielt schöngeredet zu haben. „Es war immer die Rede davon, was passiert, wenn Lauge zutritt?“, schilderte Kühn die Diskussionen der Asse-Verantwortlichen.
Während aber Landesbehörden schon in den 60er Jahren vor möglicher Instabilität warnten, hielten insbesondere Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken Kühn Zitate vor, nach denen er noch 1985 die Standsicherheit der Asse prophezeit habe. Schon 1988 begann dann aber der erhöhte Laugenzufluss. Das Bundesamt für Strahlenschutz, seit Januar Betreiber der Asse, hat Notfallpläne erarbeitet, falls diese Menge stark steigt. „Der Zufluss hat alle überrascht, auch mich“, sagte Kühn nun.
Ohne die Rechenprogramme von heute sei es seinerzeit aber schwierig gewesen,
die Wahrscheinlichkeit solcher Störungen zu ermitteln. Man habe mit 100 Jahren
Standfestigkeit der Asse gerechnet.
Dass außer Landesbehörden auch
Wissenschaftler wie Hans-Helge Jürgens früh vor den Gefahren warnten, lässt Kühn
heute schlecht aussehen. „Kühn hat immer gesagt, alles ist sicher“, schüttelte
der Asse-Kritiker Jürgen Kumlehn den Kopf. Kumlehn hatte unter anderem Mitte der
80er Jahre Auftritte Kühns zur Asse im Wolfenbütteler Kreistag erlebt und war
gestern nach Hannover gekommen.
Am Vormittag hatte, ganz im Widerspruch zu Kühn, der Historiker und Asse-Buchautor Detlev Möller vor dem Ausschuss geschildert, wie aus seiner Sicht Sicherheitsbedenken gezielt „dethematisiert“ worden seien. Die Asse, so Möller, sei als Endlager zum „kommerziellen Durchbruch“ der Atomenergie gebraucht worden.
„Der windet sich wie Lauge durchs Bergwerk“, kommentierte der FDP-Obmann im Ausschuss, der Wolfenbütteler Björn Försterling, Kühns Aussage. „Kühn ist der Prototyp des unbeirrbaren eitlen Wissenschaftlers“, ätzte SPD-Obmann Detlef Tanke. Dagegen sagte CDU-Obmann Karl-Heinrich Langspecht, die von der Opposition erhoffte Rolle als Kronzeuge habe Kühn mit seiner Aussage nicht erfüllt.













