Steuergeschenk für Dienstwagenfahrer
Dienstwagenfahrer und die Autoindustrie können sich freuen. Die Bundesregierung arbeitet an einer milliardenschweren Steuerentlastung für private Nutzer von Firmenwagen. Das soll den PKW-Absatz ankurbeln. Umweltschützer sind besorgt.
Noch in diesem Frühjahr will das Finanzministerium nach Angaben aus der Koalition einen entsprechenden Regelungsvorschlag vorlegen, den der Bundestag beschließen müsste. Die niedersächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Claudia Winterstein sagte unserer Zeitung: „Viele Berufsgruppen wie Außendienstler, Vertreter oder Selbständige werden durch einen solchen Schritt deutlich entlastet.“
Bei dem Vorhaben geht es um den geldwerten Vorteil, den Dienstwagenfahrer für
die private Nutzung versteuern müssen – pauschal oder nach gefahrenen
Kilometern.
Berechnet wird dies bisher anhand des Listenpreises des PKW. Doch
seit sich die Branche schwere Rabattschlachten liefert, liegt der Preis, der
tatsächlich bezahlt werden muss, inzwischen meist weit darunter – nach
Expertenschätzung um bis zu 25 Prozent.
Die Differenz bei der Einkommenssteuerlast der Nutzer ist beträchtlich: Für große Dienstwagen kann sie mehrere tausend Euro im Jahr betragen. „In den letzten Jahren ist es zu einer Übersteuerung gekommen“, klagt der Präsident des deutschen Autoindustrieverbands VDA, Matthias Wissmann. Der Verband erhofft sich von der Korrektur einen Ausgleich für den Wegfall der Abwrackprämie, unter dem Volkswagen und die anderen deutschen Autobauer massiv leiden – die Steuerentlastung soll die Nachfrage vor allem nach größeren Dienstautos ankurbeln.
Der Plan, der in der Koalition geprüft wird: Bei der Steuer angesetzt werden
soll nur noch der ortsübliche Kaufpreis – so wie es die Regierung schon für die
Jahreswagen von Werksangehörigen geregelt hat.
Nach Modellrechnungen aus dem
Finanzministerium würde dies die Steuerzahler um eine Milliarde Euro
entlasten.
Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Doch der Druck aus der Koalition ist hoch. „Die FDP setzt sich für eine Besteuerung nach tatsächlichem Kaufpreis ein“, sagt Winterstein. Auch Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sagt: „Es ist unsinnig, dass der Fiskus an einem rein fiktiven Listenpreis festhält, da die tatsächlichen Anschaffungspreise viel niedriger liegen.“
Doch Umweltschützer warnen: „Die Reform würde vor allem Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen begünstigen“, klagt die Deutsche Umwelthilfe. Der Steuervorteil würde bei kleinen und klimagünstigen PKW einige hundert Euro im Jahr betragen – bei „übermotorisierten Limousinen“ aber auf über 4000 Euro steigen. Es handele sich um ein Förderprogramm für die Ladenhüter der Autoindustrie. Die Grünen erklärten, die Regierung werde erneut zum Klimakiller.













