Mit neuem Hufeisen zum Sieg
Furioser Ritt nach einem Zwischenstopp beim Turnier-Schmied: Springreiter Lars Nieberg hat beim internationalen Turnier in Braunschweig den Großen Preis gewonnen. Der 46 Jahre alte Profi setzte sich am Sonntag auf Lord Luis im Stechen durch.
Als Nächster im Stechen wäre Lars Nieberg an der Reihe gewesen. Doch das Publikum in der ausverkauften VW-Halle wartete gestern beim Großen Preis zunächst vergeblich auf den 46 Jahre alten Springreiter. Denn sein zwölfjähriger Wallach Lord Louis, mit dem er im regulären Umlauf als einer von elf Startern ohne Abwurf geblieben war, hatte beim letzten Probesprung im Abreitezelt ein Hufeisen verloren.
Statt in den Parcours ging es für Nieberg deshalb zunächst also zum Turnier-Schmied. Doch von diesem Malheur zu diesem mehr als unglücklichen Zeitpunkt ließ sich der Mannschafts-Olympiasieger von 1996 und 2000 nicht aus der Ruhe bringen. Ganz im Gegenteil: Er nahm sich sogar noch die Zeit, sein Portemonnaie hervorzukramen, um den Schmied für seine Arbeit zu bezahlen. "Ich habe halt ungerne Schulden", gab Nieberg anschließend zu Protokoll und grinste dabei bis über beide Ohren.
Statt der eigentlich fälligen zehn Euro habe er dem Mann gleich das Doppelte in die Hand gedrückt. "Ich hab ihm gesagt, dass er dafür aber auch einen Siegesnagel reinhauen muss." Rückblickend bleibt festzuhalten: Diese Investition hat sich gelohnt. Denn Nieberg, der nun als Letzter der elf Teilnehmer ins Stechen ging, rollte das Feld sprichwörtlich von hinten auf und überflügelte die zuvor ohne Abwurf gebliebenen Denis Lynch und Robert Whitaker, der am Samstag noch die Große Tour gewonnen hatte. "So schnell wie heute ist er noch nie geritten", staunte Nieberg über den Hochgeschwindigkeits-Auftritt seines Wallachs, der nicht ohne Folgen bleiben dürfte. "Da werden jetzt garantiert Begehrlichkeiten geweckt", ahnt er, dass beim Besitzer des Vierbeiners schon bald Kaufangebote ins Haus trudeln werden. Ab einer gewissen Summe, das weiß Nieberg, bliebe dem Besitzer wohl keine andere Wahl, als Lord Louis zu verkaufen. Das seien zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch Spekulationen. "Ich nehme es, wie es kommt."
Die Nummer 51 der Weltrangliste räumte freimütig ein, dass es "ein gewisser Vorteil" gewesen sei, als Letzter in den Parcours zu gehen. Diese im Reglement eigentlich nicht vorgesehene Änderung der Startreihenfolge wurde allerdings nur möglich, weil die anderen Teilnehmer des Stechens dieser zugestimmt hatten. Was in erster Linie beim live übertragenden NDR für Erleichterung sorgte. Schließlich hätte eine längere Pause den Sendeplan komplett auf den Kopf gestellt.
Obwohl Nieberg seit vielen Jahren ein Gestüt in Hessen führt, hatte er bei den Löwen Classics eine Art Heimspiel. Schließlich ist er im Kreis Peine aufgewachsen, wo er auf dem elterlichen Reiterhof im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal im Sattel saß. Im Publikum saßen daher gestern viele alte Bekannte. "Deshalb ist es ein ganz besonderes Gefühl, hier in Braunschweig zu gewinnen. Schöner kann man es eigentlich nicht haben."













