Jeder zweite Arbeitsvertrag ist befristet
Noch nie hatten so viele Menschen einen befristeten Arbeitsvertrag – knapp neun Prozent der Berufstätigen. Einer Studie zufolge ist mittlerweile fast jede zweite Neueinstellung befristet.
1991 betrug der Anteil an befristeten Verträgen 5,7 Prozent.
Wer arbeitet mit befristeten Verträgen? Diese Frage beantwortet das Statistische Bundesamt:
- mehr Frauen als Männer
- weit mehr Ausländer als Deutsche
- junge
Akademiker
- vor allem junge Arbeitnehmer
- mehr Ledige als
Verheiratete.
Auch die Branchen, in denen besonders viele befristete Arbeitsverträge unterschrieben werden, hat die Behörde herausgefiltert:
- Personalvermittlungen
- Beratungsunternehmen
- Wach- und
Sicherheitsdienste
- Gebäudereiniger
- Land- und Forstwirtschaft
-
öffentliche und private Dienstleistungen.
Begünstigt werden befristete Verträge durch das 2001 in Kraft getretene Teilzeit- und Befristungsgesetz. „Die Befristung ist gut, weil sonst nach sechs Monaten der Kündigungsschutz gelten würde. Die Befristung aber erlaubt dem Arbeitgeber eine gewisse Flexibilität“, sagt Jörn Langelotz, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Braunschweig, unserer Zeitung.
Nach seiner Einschätzung hängt es von der Qualifikation des Arbeitnehmers ab,
welchen Vertrag er erhält. „Gute Leute wie zum Beispiel Ingenieure gibt es nicht
befristet. Ich vermute, dass schlechter ausgebildete Arbeitnehmer häufiger einen
befristeten Vertrag bekommen.“ Dass die Motivation der Arbeitnehmer unter der
Befristung leidet, glaubt Langelotz nicht. „Für Berufsstarter ist es normal,
befristet anzufangen.“
Dem widerspricht Tina Kolbeck, Sprecherin des DGB in
Niedersachsen. „Betroffen sind vor allem junge Menschen. Sie müssen das Risiko,
das sich durch die Befristung ergibt, alleine tragen. Außerdem haben sie es
wegen der fehlenden Perspektive schwer, ihr Leben zu planen und eine Familie zu
gründen.“
Mittlerweile ist schon fast jede zweite Neueinstellung befristet. Das hat das der Bundesagentur für Arbeit angegliederte Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelt. Im Jahr 2001 war es noch jede dritte Neueinstellung.
„Die Befristung ist eine Option, die von vielen Betrieben als verlängerte Probezeit genutzt wird“, sagt Martin Dietz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts. Immerhin: Jede zweite befristete Stelle werde nach einem Jahr in eine unbefristete umgewandelt.













