Forscher meldet: Atlantis gefunden
Braunschweiger suchte Standort der versunkenen Stadt
BRAUNSCHWEIG. Jetzt beschäftigt sich Werner Wickboldt schon seit gut 25
Und so wählte der Berufsschullehrer aus Braunschweig eine der kleineren Einheiten, um mit einer erstaunlichen These an die Öffentlichkeit zu gehen: Im Braunschweigischen Landesmuseum, Abteilung Vor- und Frühgeschichte (Wolfenbüttel) verkündete er im Rahmen eines Vortrags über Seevölker: "Ich habe den Ort entdeckt, wo Atlantis gestanden hat."
Wickboldts erste Schritte auf dem Terrain der Archäologie führten ihn ins nordfriesische Wattengebiet. Dort wird bei der Hallig Südfall nach dem in einer Sturmflut untergegangenen Ort namens Rungholt gesucht. "Damals hörte ich einen Vortrag von Pastor Spanuth, nach dem Atlantis bei Helgoland gelegen haben soll", erinnert sich der Lehrer. Das Thema reizte ihn und er machte sich daran, die These zu überprüfen. Sein Motto: "Man sollte alle Beine des Stuhles überprüfen, auf den man sich setzt."
Dabei fand er keine Widersprüche in Spanuths These, dass die Atlanter die Seevölker sind. Also jene Völker, die um 1200 vor Christus für viele Zerstörungen und Veränderungen im östlichen Mittelmeer von Griechenland bis Ägypten verantwortlich gemacht werden.
Auf diesem festen "Stuhlbein" setzte der heute 59-Jährige seinen Weg fort. Als wacklig hingegen zeigte sich die Lage bei Helgoland, denn die Landschaft dieser Nordseeinsel passt nicht zu Platons Atlantis. Den Schlüssel zur Auffindung von Atlantis sah Wickboldt in der Bedeutung es griechischen Wortes "nesos". Jahrzehntelang übersetzt mit "Insel", suchten folgerichtig vergangene Forscher-Generationen die Stadt stets im offenen Meer.
Wort mit zwei Bedeutungen
"Das Wort wurde aber auch für das Delta in Flussmündungen verwendet", trumpft der Braunschweiger auf. Vor dem Hintergrund dieser Bedeutung und Platons Beschreibung im Hinterkopf, stürzte er sich ins Kartenstudium. An dessen Ende kreiste der Pädagoge das Zielgebiet ein: Im Marismengebiet des Guadalquivirs im Südwesten Spaniens.
Zufall und technischer Fortschritt waren zwei unbezahlbare Helfer. Kostenlos erhielt Wickboldt 1996 Satellitenbilder jener Region. Darauf entdeckte er Strukturen, die er mit Platons Beschreibung des Herrschaftssitzes der Atlanter in gute Übereinstimmung zu bringen glaubt. Dazu gehören Teile der Ringanlage, der überbreite Kanal zum Meer, Wasserläufe durch die atlantische Ebene und auf der "Zentralinsel" ein Rechteck, das in den Abmessungen mit dem Tempel von Atlantis übereinstimmt. Mit Überzeugung äußert Wickboldt: "Wenn meine Überlegungen stimmen, bin ich in der Lage, die geografischen Koordinaten des Tempels von Atlantis anzugeben."
Der Hobby-Archäologe weiß, dass seine These "eine heikle Sache" ist. "Ich rechne mit Widerspruch." Ein erster Einwand kam schon vom Kustos des Museums in Wolfenbüttel, Wolf-Dieter Steinmetz: "Ich glaube von vornherein nicht an Atlantis", kommentierte er. "Und bei Satelliten-Aufnahmen muss man sowieso immer vorsichtig sein."
Diese Stellungnahme jedoch ficht Wickboldt nicht an. Er ist und bleibt mit Steinmetz befreundet. Denn auch der vermeintliche Atlantis-Entdecker weiß: "Ein Bein wackelt noch an meiner These." Noch immer fehlt die Verifikation die Ermittlung der Wahrheit durch Grabungen vor Ort.
Graben verboten
Es gibt nämlich ein abschließendes Problem: Die letzten Mauern von Atlantis liegen (wenn sie es denn sind) in einem weitläufigen Nationalpark graben verboten. Erste Kontakte von Braunschweig zur Parkverwaltung verliefen enttäuschend. "Die Behörden behaupten, da ist nichts."
Doch Wickboldt lässt sich nicht entmutigen. "Ich werde versuchen, andere Wissenschaftler für die Sache zu begeistern. Einen nach dem anderen." Wohl war: Auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.













