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14. Februar 2012
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Sarrazin-Streit: Leser stellen Fragen

Von Henning Noske

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Deutschland diskutiert über die Sarrazin-Thesen – was ist offensichtlich falsch, was hat einen wahren Kern? Unsere Zeitung lässt jetzt ausgewiesene Experten der Region die wichtigsten Fragen der Leser beantworten.

Gestern wogte der Streit wieder hin und her, doch es stellt sich zunehmend Überdruss ein:
Die Deutsche Bundesbank kommt noch zu keiner Entscheidung über ihr Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin wegen dessen umstrittener Äußerungen. Vielleicht gibt es heute eine Entscheidung.

Die SPD tut sich mit den Thesen ihres Parteimitglieds Sarrazin schwer. Es soll ein beschleunigtes Parteiausschlussverfahren geben. Doch sehr viele Mitglieder kritisieren jetzt die Parteiführung.
Das Buch des Provokateurs ist unterdessen vergriffen, das Geschäft für Sarrazin läuft also gut.
Öffentliche Veranstaltungen mit dem Autor müssen gleich an mehreren Orten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden.
Auch die Union geht auf Distanz: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nannte Sarrazins Thesen (siehe unten) „verantwortungslosen Unsinn“.

Doch der kommunalpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Götz, meint, Sarrazin lege auch den Finger in eine Wunde und zeige tatsächliche Misstände auf.
Die NPD triumphierte gestern am Rande einer Rede von Bundespräsident Christian Wulff in Dresden und enthüllte Spruchbänder: „Sarrazin hat Recht“. Wulff schwieg. Die Transparente wurden entfernt.
Es gibt ein Dilemma, das viele Experten so beschreiben:
Einerseits ist Sarrazins provokativer und verkaufsfördernder Stil indiskutabel und in der Form skandalös. Die Atmosphäre wird vergiftet.

Andererseits sind die Zustimmungswerte in der Bevölkerung sehr hoch.
Was not tut, ist also eine Erörterung tatsächlicher Probleme und eine Widerlegung der größten Irrtümer auf der Basis von Fakten – abseits der von Thilo Sarrazin jetzt in Gang gebrachten Emotionen.
Unsere Zeitung beruft als Bürgerzeitung deshalb ein außerordentliches Leser-Forum ein, das mit jeder Gründlichkeit, die nötig ist, die Fragen der Leser aufnimmt und von Experten der Region beantworten lässt. Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:

Was kann vererbt werden und was nicht?
Wie steht es um die Integration einzelner Bevölkerungsgruppen?
Welche Defizite gibt es in Erziehung und Bildung tatsächlich?
Das sind nur Beispiele. Die entscheidenden Fragen stellen jetzt unsere Leser selbst.

Hier eine Übersicht von Sarrazins Thesen:

THESE GEBURTENRATE: Etwa sechs Millionen Menschen türkischer, arabischer, bosnischer und afrikanischer Herkunft leben in Deutschland. Bleibe die Geburtenrate dieser Gruppe von Einwanderern (Sarrazin nennt sie „muslimische Migranten“) dauerhaft höher als die der deutschstämmigen Bevölkerung, würden Staat und Gesellschaft im Laufe weniger Generationen von den Migranten übernommen.

THESE HARTZ IV: Nur 33,9 Prozent der muslimischen Migranten in Deutschland leben laut Sarrazin überwiegend von Berufs- und Erwerbstätigkeit, bei der Bevölkerung ohne ausländische Wurzeln seien es 43 Prozent. Relativ zur Erwerbsbevölkerung bezögen bei dieser Gruppe vier Mal so viele Menschen Arbeitslosengeld I oder II wie bei der deutschen Bevölkerung.

THESE KULTURELLE IDENTITÄT: Muslimische Migranten, also Menschen aus der Türkei, Ex-Jugoslawien und den arabischen Ländern, bildeten den Kern des Integrationsproblems. Es gebe keinen erkennbaren Grund, warum sie es schwerer haben sollten als Einwanderer aus Asien oder Spätaussiedler, die sich schnell integrierten. Schuld seien islamisch geprägte kulturelle Einstellungen.

THESE GENE: Menschen verschiedener Herkunft hätten unterschiedliche Gene. „Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden“, sagt Sarrazin in einem Interview.

Unsere Experten:

Prof. Martin Korte, Gehirnforscher
Ulrich Markurth, Sozial-Dezernent
der Stadt Braunschweig
Nilgün Sanli, Erzieherin, Königslutter
Friedrich Weber, Landesbischof
Ulf Küch, Kripo-Chef, Landesvorsitzender Bund der Kriminalbundes

Donnerstag, 02.09.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/12864630/menuid/2044

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