Kein schnelles Internet für Rautheim
Unternehmer klagen über extrem langsames Internet im Gewerbegebiet Rautheim-Nord. Schwerfälliger, so monieren die Gewerbetreibenden, sei nur noch das Tempo, mit dem Stadt und Telekom die Lösung des Problems angingen.
Rautheim-Nord ist einer der weißen Flecken auf der Breitband-Landkarte. Die Netze lassen nur ein sehr beschränkte Übertragung von Daten zu – weit unter Standard. Trotz der Klagen und der noch freien Grundstücke auf gut sechs Hektar: Es wird sich absehbar nichts ändern. Das bestätigte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage mit Verweis auf fehlenden Bedarf und Wirtschaftlichkeit. Die Verlegung eines Kilometers Glasfaser koste 50 000 Euro, sagte er.
Und auch Wirtschaftsdezernent Joachim Roth erklärte: "An eine nachträgliche Erschließung mit ausschließlich städtischem Geld ist angesichts der bestehenden Lösung für die Unternehmen im Verhältnis zu den einzusetzenden öffentlichen Mitteln, die von allen Bürgern zu tragen sind, nicht gedacht."
Eine Vermarktungsstrategie, die für Olaf Funke im Internetzeitalter nicht nachvollziehbar ist. Der Geschäftsführer der Firma Draht-Thein kämpfe seit zwei Jahren für die Beschleunigung des Datenflusses. Ihn habe es seinerzeit beim Bezug seines zweiten Standortes in Rautheim kalt erwischt, als er das erste Mal den Rechner eingeschaltet habe.
"Ich hatte vorher gar nicht bei der Stadt nach der Internetversorgung nachgefragt. Gesagt hat mir dazu auch niemand etwas. Ich war davon ausgegangen, dass eine schnelle Anbindung Standard ist", so Funke.
Auf seinem Gelände firmiert auch das Hilti-Center. Eine Unternehmenssprecherin sagte, die Firma habe eine Standleitung aufbauen müssen, die viermal so viel koste wie die Internetanbindung an jedem der 80 anderen Standorte des Baugeräteherstellers. "Alles andere wäre so langsam, dass es zahlreiche Geschäftsprozesse lahm legen würde."
Tischlermeister Oliver Struß wird trotz des Firmenumzugs nach Rautheim weiter ein Büro in Schapen betreiben – weil er dort das 100-fache an Datenmenge übertragen könne. "Ich will einen Internetshop mit Möbeln einrichten. Undenkbar in Rautheim." Auch er beklagt, dass Stadt und Telekom nur vertrösteten, aber nicht handelten.
Wirtschaftsdezernent Roth wehrt sich gegen die Vorwürfe, zumal der Ausbau nicht Sache der Stadt, sondern der Telekommunikationsanbieter sei. Dass diese keinen Bedarf für große Investition erkennen könnten, erkläre sich von selbst. Trotz Nachfassens hätten sich kaum Firmen aus Rautheim an einer Online-Umfrage des Breitband-Kompetenzzentrums Niedersachsen und der Stadt zur Internetversorgung beteiligt.
Roth verweist auch auf den Beginn der Planungen für das Gewerbegebiet 1992, als das Internet noch keine Rolle gespielt habe. Bei allen neuen Gebieten sorge die Stadt dafür, dass Leerrohre für eine spätere Glasfaserverkabelunng verlegt würden. Roths Vorschlag: Richtfunkverbindungen, wie sie viele Firmen im Gebiet Hafen-West nutzten.













