Die Wölfe mögens kalt
Zoo Hannover verkürzt Kindern das Warten
auf weihnachtliche
Bescherung
HANNOVER. Vorsichtig stecken Lea, Leila und Luca ihre pelzigen Köpfchen aus dem Tor; dann stapfen sie etwas unbeholfen über die hauchdünne Schneedecke und folgen zaghaft ihrer Mutter. Geparden-Dame Tonja stolziert zielsicher auf eine schneefreie Sandkuhle zu und räkelt dort ihren gepunkteten Körper in den grellen Strahlen der tief stehenden Sonne. Nacheinander stoßen die knapp fünfmonatigen Drillinge dazu und unterziehen sich artig der mütterlichen Katzenwäsche.
Heizplatte gegen Frost
Dass sich das Thermometer an diesem Wintermorgen im Zoo Hannover hart am Nullpunkt bewegt, kümmert die elegante Räuberin und ihren Nachwuchs kaum. "Unsere Katzen haben kein Problem mit der Kälte", erklärt Tierpfleger Andreas Pohl. Die Sibirischen Tiger sind Minusgrade gewöhnt; auch Löwen und Leoparden kennen aus ihren Heimatregionen Temperaturstürze. Und bevor es richtig ungemütlich wird, können sich die Tiere in vielen Gehegen auf einen "heißen Stein" zurückziehen, eine Art Heizplatte, die den Untergrund frostfrei hält. Wie die Sandkuhle der Geparden.
Die Wölfe dagegen brauchen keine künstliche Wärme. "Die genießen den Winter richtig", berichtet Pohl; bei den ersten Flocken hätten sie sich seelenruhig auf ihren Hügel gelegt und sich einschneien lassen. Jetzt, in der morgendlichen Kälte rasen sie munter durchs Gehege, vergessen für ein paar Augenblicke ihre Scheu vor den Menschen und schauen neugierig herüber. "Das ist der Vorteil vom Winter", schwärmt ihr Pfleger; "viele Tiere sieht man besser. Sie müssen sich ständig bewegen, damit sie nicht frieren." Bei Hitze dagegen verkriechen sich selbst Tropenbewohner oft in den Schatten. Dennoch gehen nach Auskunft von Zoo-Sprecherin Christiane Reiss in der kalten Jahreszeit die Besucherzahlen drastisch zurück. Während es an Spitzentagen im Sommer bis zu 15 000 zahlende Gäste sind, freuen sich die Verantwortlichen im Winter schon über 2000.
Am heutigen Heiligabend erwarten sie aber einen mittelgroßen Andrang. Der Zoo füllt sich für ein paar Stunden. "Dann ist es ein ganz besonderes Publikum", erzählt Pfleger Pohl. Statt Familien kämen meist nur Väter mit ihren Kindern.
Erdmännchen toben herum
"Die verbringen ihre Wartezeit aufs Fest bei uns", sagt Christiane Reiss, "während Mama zu Hause die Geschenke einpackt und das Essen vorbereitet." Von 10 bis 14 Uhr hat die familiäre Fluchtstätte heute geöffnet.
An den beiden Weihnachtstagen, wenn wieder die kompletten Familien unterwegs sind, ist der Zoo zwei Stunden länger auf. Wegen des etwas eingeschränkten Angebots gibt es spezielle Winter-Eintrittspreise: Statt 15,50 Euro zahlen Erwachsene derzeit nur 10,50 Euro, Kinder statt 11,50 Euro nur 9,00 Euro.
Während etliche exotische Tiere wie Erdmännchen, Flamingos, Nashörner, Trampeltiere und Kängurus sich kaum um die Kälte scheren und sich zumindest zu den Öffnungszeiten im Freien aufhalten, müssen die Giraffen drinnen bleiben.













