Erinnerungen an einen Völkermord
Eine Wendeburgerin erlebte 1904 den Herero-Aufstand mit Buch sorgt in Namibia wieder für Schlagzeilen
Von Klaus Herrmann
WENDEBURG. Es war der erste von Deutschen begangene Völkermord, darüber sind sich die Historiker heute einig: Im Jahr 1904 erhoben sich die afrikanischen Herero gegen die deutsche Kolonialmacht. 65 000 von ihnen kamen ums Leben. Aber es starben auch Deutsche.
Vor den Augen seiner Frau Else Sonnenberg wurde Gustav Sonnenberg im Schlaf erschlagen. Das Ehepaar aus Wendeburg war im Jahr 1903 nach Deutsch-Südwest eingewandert, um sich eine neue Existenz aufzubauen.
Was Else Sonnenberg damals erlebte, schrieb sie auf. "Wie es am Waterberg zuging" erschien als Buch im Jahr 1905. Genau 100 Jahre später sorgt dieses Buch wieder für Schlagzeilen in Südafrika. Der Kleinverleger Uwe Krebs hat das Buch jetzt wieder herausgebracht.
Der evangelische Bischof in Namibia, Reinhard Keding, hält das Buch für einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte von Schwarzen und Weißen. Keding setzt sich für die Aussöhnung mit den Herero in Namibia ein."
Dass die Erlebnisse von Else Sonnenberg vor dem Vergessen bewahrt wurden, ist vor allem Pastor Otto Pfingsten aus Wendeburg zu verdanken. Er stieß bei seinen historischen Recherchen auf das Buch und über zeugte Uwe Krebs davon, es erneut zu veröffentlichen. "Else Sonnenbergs Aufzeichnungen zeugen von dem frisch beherzten Mut, den Unternehmungen wie ihr gescheiterter Versuch brauchten, um in der südwestafrikanischen Wüste eine Farm und Familie zu gründen."
"Wenngleich in den Grenzen und der Terminologie ihrer Zeit verhaftet, beschreibt Sonnenberg die Herero nicht pauschal als Wilde, sondern jeden Menschen nach seinem Charakter. So mag das kleine Buch einen authentischen Einblick in das Unheil geben, das vor hundert Jahren im heutigen Namibia angerichtet wurde", schrieb eine Kritikerin. In Namibia wird besonders hervorgehoben, dass das Buch unkommentiert und ohne Wertung veröffentlicht wurde und so als authentische Quelle erhalten geblieben ist. Aus dem Herzogtum Braunschweig stammten viele, die der Verheißung eines riesigen, unberührten Landes folgten. Sie hofften, dort eine neue Existenz aufbauen zu können.
Pastor Otto Pfingsten erläuterte die Lebensumstände der Autorin in einem zweiten Buch, das zeitgleich erschien und das den Titel trägt "Das Schicksal der Else Sonnenberg im Hereroaufstand". In diesem Buch wird geschildert, was Else Sonnenberg empfand, als sie aus Afrika zurückkehrte.













