Zapfsäulen werden ungenauer Tanken wird teurer
Braunschweiger Behörde setzt EU-Vorschrift um
BRAUNSCHWEIG. Künftig werden Autofahrer noch weniger Benzin oder Diesel für ihr Geld bekommen. Eine EU-Richtlinie erlaubt es, dass Zapfsäulen an Tankstellen ungenauer anzeigen als bisher.
"Die Richtlinie hat erhebliche Vorteile für die Industrie", sagt Professor Wilfried Schulz von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. "Es ist klar damit zu rechnen, dass man weniger Sprit bekommt." Schulz arbeitet daran, dass die EU-Regelung in Kürze auf deutsches Recht angewendet wird.
Bislang sind nur geringe Fehler-Toleranzen erlaubt, die Zapfsäulen arbeiten sehr genau. Wer 100 Liter tankt und bezahlt, kann davon ausgehen, dass er mindestens 99,8 Liter im Tank hat. Künftig müssen Autofahrer damit rechnen, dass bei einigen Zapfsäulen nur noch 99,5 Liter Sprit in den Tank fließen, obwohl sie 100 Liter bezahlen. Die Differenz kassieren die Mineralöl-Konzerne und das Finanzministerium.
Der Automobilclub von Deutschland rechnet damit, dass deutsche Autofahrer jährlich rund 750 Millionen Euro zahlen, ohne dafür einen Tropfen Sprit zu bekommen. Patrick von Braunmühl, Fachbereichsleiter für Wirtschaftsfragen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen sagt: "Das ist ein Skandal. Die Verbraucher sind die Melkkühe. Das Abkassieren der Konzerne wird gefördert." Die Richtlinie diene dazu als Deckmantel. "Der höchstmögliche Stand der Technik muss beibehalten werden."
Dieter Ullrich, Direktor des Landesbetriebes Mess- und Eichwesen Niedersachsen in Hannover, war bei den Verhandlungen in Brüssel oft dabei. Unserer Zeitung sagt er: "Es war ein Hauen und Stechen. Im Ergebnis war das höchste Niveau nicht zu halten."HINTERGRUND













