Grüne: Spritsparen per Gesetz
Interview mit Parteichef Bütikofer Kritik an Gabriel: Sündenfall in der Atompolitik
BERLIN . Die Grünen wollen per Gesetz die Autoindustrie zum Bau spritsparender Fahrzeuge zwingen. Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer sagte unserer Zeitung, weil die Automobilindustrie eine selbst gesetzte Obergrenze für den Flottenverbrauch nicht einhalten werde, müssten als Konsequenz gesetzliche Grenzen für den Kraftstoffverbrauch festgelegt werden.
Bütikofer schlug vor, diese Grenze für den durchschnittlichen Flottenverbrauch eines Herstellers bei 4 Litern pro 100 Kilometer bis 2010 festzulegen. Nach letzten Zahlen des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie liegt dieser Wert für Neufahrzeuge deutscher Hersteller heute bei etwa 6,8 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer.
Der Grünen-Chef äußerte sich vor einer Regionalkonferenz seiner Partei am Samstag in Wolfsburg, bei der es um die Zukunft der Mobilität gehen soll.
Bütikofer sagte, andere Länder wie Kalifornien verschärften ihre Flottenverbrauchregeln. "Wenn die deutsche Automobilindustrie nicht aufpasst, verpasst sie wieder einmal einen Trend wie zuletzt beim Dieselrußfilter und wer Innovationen verschläft, gefährdet damit Arbeitsplätze." Mit Blick auf den Klimaschutz fügte Bütikofer hinzu, in der Autoindustrie sei das Gefühl der Verantwortung für die Zukunft unterentwickelt.
Kritisch äußerte sich Bütikofer zur Arbeit von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD): Der habe zwar in der Debatte um den Atomausstieg anfangs eine gute Position eingenommen. Gabriel sei aber gegenüber der Atomlobby jetzt das erste Mal eingeknickt, indem er als Chef der Reaktorsicherheitskommission einen Atomkraftbefürworter von Siemens eingesetzt hat. "Das ist der erste Sündenfall von Gabriel. Ich fürchte, es ist der Anfang vom Weichwerden."
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