Immer mehr vernachlässigte Kinder
Kriminologe: Wir haben ein Armuts-Problem Kinderhilfe spricht von einer "nationalen Katastrophe"
BRAUNSCHWEIG. Kevin, Mehmet, Leonie sind keine Einzelfälle. Immer mehr Eltern vernachlässigen ihre Kinder, weil immer mehr Familien in Armut leben.
Nach Studien werden 21 Prozent der Kinder aus sozial schwachen Familien misshandelt, bei Mittelschicht-Kindern sind es 4 Prozent. "Wir haben ein Armuts-Problem", sagt Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Er fürchtet, dass die Zahl der vernachlässigten Kinder weiter zunehmen wird. Die Deutsche Kinderhilfe sprach gestern von einer "nationalen Katastrophe" und forderte einen "Kindergipfel" mit Bund, Ländern und Kommunen.
Der Kinderschutzbund schätzt, dass bis zu 500 000 Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden. "Wir brauchen lückenlose Vorsorge-Untersuchungen in Kindergärten und Schulen", sagt Jörg Angerstein von der Bundesgeschäftsstelle.
Und wie sieht es in der Region aus? Allein 229 Mal nahm das Jugendamt Braunschweig im vorigen Jahr Kinder vorübergehend in Obhut, weil es in ihren Familien zu Gewalt oder anderen Krisen gekommen war. Noch vor fünf Jahren waren es gerade 87 Mal. Den Anstieg erklärt die Stadt damit, dass früher und sensibler reagiert werde.
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