Tödliche Pillen über das Internet
Millionen von gefälschten Medikamenten kommen nach Europa "Arznei-Packungen kennzeichnen"
BRÜSSEL. Wirkungsloses Viagra, kaputte Kondome, Hustensaft mit Rattengift: Produktfälscher kopieren nicht nur Designerhosen oder Schmuck, sondern auch Arzneimittel. Für den Verbraucher kann das tödlich enden.
Rund 2,5 Millionen gefälschte Medikamente stellte der Zoll im vorigen Jahr in Europa sicher, fünf Mal mehr als noch im Jahr zuvor. Die meisten stammen aus Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und China. Die EU-Kommission sieht dies als dramatische Entwicklung und will schärfer gegen Pillenfälscher vorgehen. Industriekommissar Günter Verheugen hat vor allem die Vertriebswege über das Internet im Visier: Er will bis Ende des Jahres eine genaue Untersuchung vorlegen und dann Leitlinien erarbeiten.
"Wir brauchen eine EU-weite Kennzeichnung von Arzneipackungen", fordert Uwe Hansmann, stellvertretender Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen. Etwa ein Farbwechsel-Zeichen oder ein Klebesiegel, das sich bei Ablösung selbst zerstört wie eine Vignette.
Auch Thomas Beck, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker, fordert die Politiker zum Handeln auf: "In Indien und China gibt es regelrechte Börsen, an denen tonnenweise Wirkstoffe gehandelt werden."HINTERGRUND













