Akrobatik auf einer Hand
Braunschweig war für eine Nacht die Breakdance-Hauptstadt – Koreaner sind die neuen Weltmeister
BRAUNSCHWEIG. Treibende Schlagzeug- und Bongosolos flankiert von schweren Bässen geben das Tanztempo vor. Dieser Rhythmus jagt die Tänzer auf der Bühne. 8000 Fans jubeln ihnen zu bei der Breakdance-Weltmeisterschaft am Samstag in Braunschweig.
Lichtstrahler schwenken durch das Rund der Volkswagen Halle. Aus den Lautsprechern kreischt leidenschaftlich James Brown, auf dem Hallenboden bilden sich Kreise von Menschen, in denen Besucher tanzen. Die Stimmung ist wie Fieber: höchst ansteckend.
14 Gruppen aus der ganzen Welt kämpfen um den Titel und zeigen sportliche Höchstleistungen. Kerzengrade balanciert ein Tänzer der thailändischen Gruppe Ground Scatter Crew auf seinem Kopf und dreht sich so auf dem Boden um seine eigene Achse: Einmal, zweimal, dreimal – das Publikum johlt – und er dreht sich weiter. Neunmal, zehnmal, schließlich sechzehnmal.
Koreaner zeigt extremen Einarm-Handstand
Auf einer Hand stemmt sich der Breaker der koreanischen Extreme Crew in die Höhe, die Beine geschlossen. Dann knickt er den Arm ab, verlagert sein Gewicht auf den Ellenbogen, dann wieder auf die Hand – immer im Wechsel und das im Takt der Musik.
Das Saxophon bläst den Pink Panther. Die neun Tänzer der japanischen Turn Phrase Crew mimen in ihrer Choreographie einen Einbruch, bei dem sie Alarm auslösen und die Polizei ihnen auf den Fersen ist. Sie brennen ein Feuerwerk der Breakdance-Tricks ab, schneller als jeder Reporterstift. Nach dem Ende ihrer Show rasten die Zuschauer aus vor Begeisterung.
Im Breakdance sind die Asiaten die Weltmacht. Ihr Vorteil: Fast alle sind klein und kompakt, vielleicht 50 Kilogramm schwer. Europäer und Amerikaner hingegen bringen gut und gern 20 Kilogramm mehr auf die Waage. Deshalb wirken ihre Figuren fast durchweg einen Tick behäbiger.
Der Funke von diesen Gruppen zum Publikum springt selten über. Dies schafft die belgische Gruppe Hoochen, die mit ihrer vor Kraft strotzenden Körperbeherrschung zeigt, dass sie mit den Asiaten mithalten kann. Und die Schweden, die das schwere Los des ersten Auftritts an dem Abend haben, zeigen eine anständige Gruppenchoreographie.
Fans buhen das deutsche Team gnadenlos aus
Ins Halbfinale wählt die Jury jedoch die deutschen Funk Fellaz – allesamt weltbekannte Breaker. Bei der Verkündung dieses Urteils ertönt ein gnadenloses Buhkonzert der Zuschauer. Kontroverse Diskussionen folgen später in der Nacht in Internetforen: Wurden die Deutschen möglicherweise bevorzugt, weil deren Sponsor gleichzeitig Hauptsponsor der Veranstaltung ist?
Im Halbfinale lassen die flinken Japaner den matten Deutschen keine Chance. Hochklassiger ist bereits das zweite Halbfinale zwischen Extreme Crew auf Korea und Legiteam Obstruktion aus Frankreich. Die Koreaner setzen sich durch und besiegen auch im mitreißenden Finale die Japaner.













