Erleichterung, aber auch Sorge vor Störfeuer
Von der Niedersachsen-Uni wird zunächst nichts zurückgenommen, doch im Landtag gibt es noch "Getöse"
BRAUNSCHWEIG. "Jetzt können wir wie geplant weitermachen. Es gibt keine Änderungen": So reagiert Braunschweigs TU-Präsident Jürgen Hesselbach auf den Kabinettsbeschluss und das Bekenntnis von Ministerpräsident Christian Wulff zur Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH).
Doch bei Hesselbach, der als Motor der NTH gilt, wächst der Ärger über die Störfeuer aus Hannover. Es ist kein Geheimnis, dass der Braunschweiger Präsident in höheren Kategorien denkt und kleinkarierten Streit in der niedersächsischen Provinz verachtet.
In einem Parforceritt hat Hesselbach jegliche Kritik zuhause in Braunschweig erfolgreich im Keim erstickt trotz Verbitterung, die es auch hier gab. Um so enttäuschter sieht Hesselbach jetzt, dass Hannovers Uni-Präsident Erich Barke seinen Laden nicht im Griff hat.
Mehr noch: In der Landeshauptstadt mehren sich sogar die kritischen Stimmen. "Da ist eine Kampagne im Gang da steckt Systematik dahinter", schimpft Hesselbach. Alle hätten jetzt das Feuer auf die NTH eröffnet. Und Braunschweigs TU-Präsident ahnt: "Das Getöse wird zunehmen."
So könnte es kommen. Günter Scholz, Hauptamtlicher Vizepräsident der Leibniz-Universität Hannover, war gestern gar nicht glücklich über des Machtwort der Landesregierung zur NTH.
"Sie konnten Minister Stratmann ja nicht im Regen stehen lassen", sagte Scholz unserer Zeitung. Schon im Februar habe man dem Ministerium die Bedenken zugeleitet, doch dort hätten sie wohl gedacht: "Wir haben eh die Mehrheit."
Damit das nicht so bleibt, soll jetzt Druck auf Hannovers Landtagsabgeordnete aufgebaut werden. Vielleicht könnten die ja im Landtag das NTH-Gesetz noch abschwächen. Besonders die Berufung ihrer Professoren durch die neue NTH stößt vielen an Hannovers Uni sauer auf. Man fürchtet um die eigene Autonomie, sieht zudem Geisteswissenschaftler in der verbleibenden "Rest-Uni" isoliert.
Ausgerechnet die frühere Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) goss Öl ins Feuer, als sie in der "Hannoverschen Allgemeinen" die NTH in Bausch und Bogen verwarf. Hannover allein, so Bulmahns Credo, könne es besser.
"Sie weiß nicht, wovon sie spricht", giftet ihr Bundestagskollege Carsten Müller (CDU). Die Defizite der Leibniz-Uni in Hannover seien nicht wegzureden. Hesselbachs Rechnung lautet so: "Obwohl wir kleiner sind, haben wir in den NTH-Fächern mehr Drittmittel als Hannover."
Braunschweigs Oberbürgermeister Gert Hoffmann hat gestern den Beschluss der Landesregierung und das Festhalten am Gesetzentwurf begrüßt. Hoffmann sieht darin auch eine wichtige Grundlage für die Arbeit in der Metropolregion.
Sein Partner dort, Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil, hat sich mittlerweile jedoch der Kritik an der NTH angeschlossen.











