"In mir kocht italienisches Blut"
Trotzdem bereut Eintracht-Neuzugang Calamita, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft abgelehnt hat
BRAUNSCHWEIG. Fußball-Drittligist Eintracht Braunschweig hat vor Saisonbeginn fünf neue Spieler unter Vertrag genommen. Wir stellen alle vor. Heute: Angreifer Marco Calamita.
Wenn aller guten Dinge tatsächlich drei sind, dann ist die Verpflichtung von Marco Calamita ein schlechtes Omen für Eintracht Braunschweig. Denn mit seinen beiden vorherigen Klubs, dem Regionalligisten SC Pfullendorf und dem Drittligisten Wacker Burghausen, stieg der Angreifer jeweils ab. Doch der Italiener hofft, dass sich dieses Missgeschick in Braunschweig nicht wiederholen wird. Im Grunde genommen ist er sogar fest davon überzeugt, schließlich hat er schon nach wenigen Trainingseinheiten festgestellt: "Hier ist eine ganz andere Qualität in der Mannschaft."
Und nicht zuletzt von der Verpflichtung Calamitas erhoffen sich die Eintracht-Verantwortlichen, eben jene Qualität im Vergleich zur Vorsaison noch einmal gesteigert zu haben. Der 26-Jährige soll im Angriffszentrum die Lücke füllen, die Marcel Schied hinterlassen hat. "Ich weiß, was man hier von mir erwartet", sagt Calamita, der vergangene Spielzeit für Burghausen elfmal ins Schwarze traf. Eine Zahl, an der er sich dieses Jahr bei den Blau-Gelben messen lassen muss. "Natürlich habe ich mir ein Ziel gesetzt, aber das werde ich nicht verraten."
Nur allzu gerne erinnert sich der Ex-Burghausener an seinen Dreierpack beim Auswärtssieg in Wuppertal oder an seine Doppelpacks gegen Unterhaching und Dresden. "Aber wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich stattdessen lieber jedes Spiel ein Tor schießen", sagt Calamita in akzentfreiem Deutsch. Nicht zu überhören ist hingegen der schwäbische Dialekt.
Im Alter von acht Jahren kam er mit seinen Eltern nach Deutschland, die hier ihr berufliches Glück suchten. Da er bereits in Italien von morgens bis abends mit seinen Geschwistern auf der Straße gekickt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis er in Deutschland einem Verein beitrat.
"Ich konnte damals noch kein Wort Deutsch sprechen", erinnert sich Calamita und grinst. Stattdessen ließ er Taten sprechen: Gleich beim ersten Turnier mit seinem neuen Team, dem SV Fellbach, wurde Klein-Marco zum besten Spieler gekürt.
Später durchlief er die Jugendteams des VfB Stuttgart, wurde in der A-Jugend sogar zu einem Nationalmannschaftslehrgang eingeladen. Doch obwohl er ein sehr gutes Gespräch mit Bundestrainer Uli Stielike geführt habe, entschied er sich gegen die deutsche Staatsbürgerschaft. "Ich habe gedacht, wenn ich für Deutschland spielen kann, kann ich auch für Italien spielen", sagt Calamita heute ein wenig kleinlaut.
Im Nachhinein weiß er, dass dies ein Trugschluss war. Denn in Italien interessierte sich damals niemand für den Stürmer.
Doch Calamita, der früher für Roberto Baggio schwärmte, hat aufgehört, sich über seinen, wie er sagt, Fehler zu ärgern – den Blick stattdessen nach vorne gerichtet. Auf seiner Homepage, die ein Geschenk seines Bruders ist, steht ein Zitat des chinesischen Philosophen Laotse: "Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg." Calamita hat es sich zu seinem Lebensmotto gemacht.
Der sympathische Italiener, der bei der Eintracht einen Zwei-Jahresvertrag unterschrieben hat, macht keinen Hehl daraus, dass die 3. Liga für ihn noch nicht Endstation ist. "Wenn ich mit 26 Jahren sage, die 3. Liga ist für mich das Maximum, dann wäre ich hier doch fehl am Platz", sagt der Neu-Braunschweiger, der sich selbst als emotional und heißblütig charakterisiert. "In mir kocht halt italienisches Blut."
Dass er für viele Eintracht-Anhänger ein Hoffnungsträger ist, ist ihm nicht entgangen – ein Blick ins Gästebuch seiner Homepage genügt. "Das gibt einem sehr viel Kraft", betont Calamita mit Blick auf die vielen, vielen Einträge. Und er kündigt an: "Ich will den Fans alles zurückgeben."













