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12. Februar 2012
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Hitze, Wind und Einsamkeit

Torsten Bierwisch fliegt Sonnabend zum Ironman nach Hawaii – Völlig überraschend qualifiziert

Von Stefani Franzke

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BRAUNSCHWEIG. Was für die einen die Erfüllung eines Lebenstraums ist, ist für Torsten Bierwisch ein reines Zufallsprodukt. Angetreten war er beim Ironman in Frankfurt, um den Wettkampf zu genießen. Dass er sich dabei für Hawaii qualifiziert – daran hatte er im Traum nicht gedacht.

Jetzt aber ist es für den 40-Jährigen so weit. Am Sonnabend fliegt er von Hannover nach Frankfurt und von dort aus nach Chicago, San Francisco und schließlich nach Big Island. Spendiert hat den Flug übrigens sein Arbeitgeber. Am 15. Oktober ist dann der Wettkampftag.

Torsten Bierwisch ist nicht einer, der jahrelang auf den Traum Ironman hingearbeitet hat. Zum Triathlon kam er, weil Freunde sich zu einem Wettkampf meldeten und er sehen wollte, ob er das auch kann. Gelaufen ist er schon immer, früher hat er Wasserball gespielt.

"Interessant beim ersten Triathlon war, ob ich in der Lage bin, die Radstrecke zu schaffen", erzählt der Disponent im Heizkraftwerk Mitte von BS-Energy an der Hamburger Straße. Das war 1998. Kurztriathlons waren dem quirligen Bierwisch bald zu wenig. "Ich habe schnell gemerkt, dass ich für meinen Trainingsaufwand gut mithalten konnte."

Vor zwei Jahren dann der Einschnitt. Nach der Trennung von seiner Partnerin suchte er sich ein neues sportliches Ziel: die erste Langdistanz. "Eine mittlere hatte ich da erst bewältigt." Vergangenes Jahr in Frankfurt war es dann so weit: 10:28 Stunden brauchte Bierwisch im ersten Jahr für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und den abschließenden Marathon (42,195 Kilometer).

Ein Traum war es in diesem Jahr für ihn, die Zehn-Stunden-Marke zu knacken. "Das hätte ich nie für möglich gehalten", erzählt der Süplinger (bei Haldensleben), der für den WSV Wolfenbüttel startet. Nach 9:58 Stunden erreichte er in Frankfurt das Ziel.

Aus dem Hawaii-Kontingent seiner Altersklasse (M 40) war er eigentlich vier Plätze raus, doch schon im Zielraum erfuhr er vom ersten Konkurrenten, der verzichten wollte. Schnell war klar, dass der Weg nach Hawaii frei war für den 40-Jährigen. "Bis zum nächsten Tag hatte ich Zeit, darüber nachzudenken und die 400 Euro Startgeld zu besorgen", schildert Bierwisch das Prozedere. Zu zahlen ist das Startgeld für Hawaii nämlich sofort und in bar. "Die ganze Sache ist relativ unromantisch. Am Tag nach dem Wettkampf werden die Kandidaten aufgerufen. Wer dann Nein sagt, nicht persönlich da ist, oder das Geld nicht auf den Tisch legt, ist raus." Bierwisch war da, sagte Ja und bezahlte.

Spontan griff er zu, nimmt nun an einem der härtesten Wettkämpfe teil. Hitze, Wind und Einsamkeit – das ist es, was die Athleten auf Big Island erwartet. Keine Ablenkung, kaum Zuschauer – nur die Auseinandersetzung mit dem eigenen Kopf, dem Körper und der Anstrengung. Davor hat Bierwisch Respekt. Nicht vor den Distanzen.

Dass er die drauf hat, hat er gerade in Frankfurt bewiesen. Deshalb hat er auch das Training ruhiger angehen lassen. Das allerdings bedeutet, dass er immer noch 13 bis 16 Stunden netto in der Woche unterwegs ist. Auf dem Rad, beim Laufen oder Schwimmen. Klar, dass der Sport seinen Rhythmus bestimmt. "Wenn ich morgens aufwache, überlege ich, was ich bei der Arbeit zu erledigen habe, gucke, wie das Wetter ist und entscheide dann, was ich trainiere", schildert der "Breitensportler".

Ist das Wetter gut und hat er sich für die Woche noch eine Langdistanz auf dem Rad vorgenommen, steigt er nach der Arbeit auf den Drahtesel. Bierwisch trainiert meist alleine, stellt sich sein Trainingspensum selbst zusammen.

Ohne Trainer hat er es bis nach Hawaii gebracht. Und dort lautet sein Motto wie zuletzt in Frankfurt: "Ich will den Wettkampf genießen!"

Freitag, 07.10.2005
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/4602563/menuid/2045

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