"Ich weiß, dass mich einige auf Hawaii nicht sehen wollen"
Triathletin Nina Kraft will sich nach ihrer Dopingsperre für den Ironman qualifizieren
BRAUNSCHWEIG. "Ich bin einmal komplett durch die Hölle gegangen. Ich weiß, dass es nie wieder so schlimm werden kann." Dieses Wissen treibt die Braunschweiger Triathletin Nina Kraft voran. Es gibt ihr die Kraft, sich nach zwei Jahren Dopingsperre wieder der Konkurrenz bei einem Ironman zu stellen.
Am 24. Februar möchte sie sich beim Ironman Malaysia für Hawaii qualifizieren. Nina Kraft will zurück in die Königsklasse ihres Sports. "Ich bin jetzt mental so stark, dass mir nichts mehr passieren kann."
Kein einfaches, spannungsfreies Unterfangen. Immerhin hatte die 38-jährige Braunschweigerin mit ihrem positiven Test und dem Doping-Geständnis nach dem Sieg auf Hawaii im Oktober 2004 für einen der größten Skandale in ihrem Sport gesorgt. "Ich weiß, dass es ein paar Leute gibt, die mich auf Hawaii nicht mehr sehen wollen. Deswegen will ich da hin. Ich gehe meinen Weg", sagt Nina Kraft fast ein wenig trotzig. Sie will beweisen, dass sie noch immer zu den Besten gehört.
Eineinhalb Jahre hat sich Nina Kraft mit Wettkämpfen auf Kurz- und Mitteldistanzen beschieden, die zweijährige Sperre des Ironman-Veranstalters endete Ende vergangenen Jahres. Sie wird versuchen, sich in Malaysia zu qualifizieren. Nur die ersten Zwei dürfen nach Hawaii.
"Andere Siege als die auf Hawaii werden doch in unserem Sport nicht anerkannt. Ich habe viele andere Wettbewerbe gewonnen. Interessiert hat es kaum jemanden. Es gibt einfach nichts Größeres", sagt die 38-Jährige, die gestern kurz in Frankfurt Zwischenstation machte. Vom Trainingslager in Brasilien geht es über Deutschland heute direkt weiter nach Malaysia.
Hawaii ist also wieder das Ziel. Jener Ort, an dem Nina Kraft 2004 den Höhepunkt ihrer Karriere erlebte, um gut drei Wochen später den tiefen Fall durchzumachen. "Es kann nie mehr so schlimm werden wie nach dem Geständnis", sagt die Profisportlerin, die für sich nun einen Schlussstrich gezogen hat: "Okay. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe mich geschämt, habe meine Strafe bekommen."
Wohin ihr Weg führt, wenn es nicht klappt mit der Hawaii-Qualifikation, will die Braunschweigerin in Ruhe entscheiden, wenn es so weit ist. Auch was nach einem Start auf Hawaii wird, ist nicht entschieden. " ich bin jetzt immerhin 38 Jahre alt", gibt Nina Kraft zu bedenken. Fest steht, dass ihr die letzten eineinhalb Jahre auf der Kurz- und Mitteldistanz Spaß gemacht haben. "Es bleibt neben dem Training Zeit für ein Privatleben, fürs Malen und für Freunde." Bei der Vorbereitung auf einen Ironman ist nach sechs bis sieben Stunden Training täglich plus Kraftraum und Dehnprogramm nichts mehr vom Tag übrig.
Warum Nina Kraft, die im vergangenen Jahr achtmal von Mitarbeitern der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) kontrolliert wurde, trotzdem noch einmal nach Hawaii will? "Ich liebe den Triathlon. Ich gebe nicht auf!" Und das Ziel? "Platz eins bis drei. Das reicht mir."













