Herms will Titel nach Braunschweig holen
Vier Starter aus der Region bei deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften Stolz hofft auf EM-Ticket
BRAUNSCHWEIG. Es wird sein erster großer Einzelauftritt für die LG Braunschweig, und wenn alles nach Plan läuft, springt Gold dabei heraus. René Herms will am Sonntag bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig seinen Titel über 800 Meter verteidigen. Dass er dies so klar formuliert, ist keineswegs arrogant oder vermessen. Denn von 2002 bis 2006 hieß der deutsche Hallenmeister immer René Herms.
Dabei ist die kurze Saison unter dem Dach für den 24-Jährigen wie für die meisten Leichtathleten nur eine Durchgangsstation, und mit seinen 1,95 Metern Körpergröße ist er auf dem engeren Radius der Hallenbahnen eher benachteiligt.
Aber zuletzt war die Konkurrenz nicht so angriffslustig. Und auch in diesem Jahr bleibt dem Neu-Braunschweiger ein aufstrebender Widersacher erspart. Robin Schemberra, 18 Jahre alter Jungstar aus Leverkusen, der Herms zuletzt in Düsseldorf geschlagen hatte, will nur in der Staffel starten. Dafür könnte es zu einem Aufeinandertreffen mit Ex-Olympiasieger Nils Schumann (Frankfurt) kommen, der nach vielen Verletzungen für dieses Jahr sein Comeback angekündigt hat. Er ist hinter Herms (1:47,38) und Schemberra (1:47,56) mit der drittbesten Zeit (1:48,02) gemeldet.
Gewinnt er nicht, wäre das für den erfolgsverwöhnten Titelverteidiger sicherlich ein Frusterlebnis. Aber sein großes Ziel in diesem Jahr ist die WM-Teilnahme in Osaka, alles andere nebensächlich. Die Hallen-EM in Birmingham Anfang März wird Herms nicht bestreiten. Für Vor-, Zwischen- und Endlauf unter Höchstbelastung sei er noch nicht konstant genug, räumt er ein.
So soll die DM auch nur eine Standortbestimmung sein, bei der er unter anderem herausfinden will, ob seine alte Stärke wieder funktioniert, der Spurt. Optimistisch stimmt ihn die gute Leistung, mit der er vergangenen Sonntag bei der Staffel-DM im Endspurt Bronze nach Braunschweig holte.
Doch angesichts des Neuanfangs nach der EM-Pleite mit dem Vorlauf-Aus in Göteborg, nach dem Trainerwechsel von Klaus Müller in Pirna zu Dietmar Jarosch in Dresden, traut Herms den positiven Eindrücken noch nicht hundertprozentig. "Ich schließe nicht aus, dass ich versuche, das Rennen von vorneweg zu laufen."
Vorne dabei sein möchte auch Weitspringer Christoph Stolz vom VfL Wolfsburg. "Mein Ziel ist ein Medaillenplatz und die EM-Qualifikation", sagt er selbstbewusst. Um ein Ticket für Birmingham zu bekommen, müsste der 27-Jährige am Samstag 7,90 Meter springen. Seine Meldeweite sind nur 7,52 Meter. "Aber ich habe gut zum Höhepunkt hin trainiert", gibt er sich optimistisch."
Nur als Außenseiter starten Matthias Lindner vom TSV Helmstedt im 60-m-Sprint und der Braunschweiger Matthias Jaworski über 1500 Meter. Beide müssen in ihren stark besetzten Konkurrenzen schon in den Vorläufen alles geben, um weiter zu kommen.













