Der Vogelpark Walsrode will keine Pleitegeier
Eine belgische Firma rettet eine Freizeit-Attraktion des Landes, jedenfalls vorerst
WALSRODE. Silke Lorenz atmet auf, und nicht nur sie. "Was der Eiffelturm für Paris, ist für uns der Vogelpark", sagt die Bürgermeisterin von Walsrode.
Vor wenigen Tagen noch zogen rund 500 Demonstranten vor das Rathaus, um für den Erhalt des traditionsreichen Parks zu demonstrieren. Das Wetter passte zur Stimmung: Es regnete.
Schon vor neun Jahren kreiste der Pleitegeier über dem 1962 gegründeten Park (Eigenwerbung: "Der größte Vogelpark der Welt"). 2006 verhagelte die Vogelgrippe die Bilanz – Teile des Parks wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt, Pinguine, Pelikane und Flamingos mussten aus Freigehegen in überdachte Volieren umsiedeln. 2007 kamen 270 000 Besucher, 2008 waren es dann 280 000. "Wir brauchen 330 000 Besucher pro Jahr, um über die Runden zu kommen", hatte Geschäftsführer Michael Hahnke Mitte März traurig vorgerechnet.
Notfallpläne sahen bereits vor, dass die Kommunen – außer Walsrode noch das kleine Bomlitz – den Park übernehmen, Bomlitz beantragte bereits Fördermittel. Doch ohne tragfähiges Konzept, so ein Sprecher des niedersächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums, sei wenig zu machen. "Generationen von Schulkindern sind mit dem Park groß geworden, für die ältere Generation ist er das Gegenstück zu den übrigen Freizeitparks in der Heide", machen sich die Grünen-Fraktion im Landtag für den Erhalt des Vogelparks stark. Sie loben die "Liebe zum Detail" und die "einmalige Park- und Gartenanlage". Die Mitarbeiter jedoch wissen um den Renovierungsbedarf, so bei Volieren.
Die einstweilige Rettung kommt von einem belgischen Gartencenter-Betreiber. Floralux erklärte sich nicht nur bereit, ausstehende Gehälter für die derzeit rund 60 festen Vogelpark-Mitarbeiter zu zahlen. "Eine gute Perspektive" nennt Walsrodes Bürgermeisterin den Einstieg der Belgier. Nach ersten Gesprächen hieß es, den neuen Herren liege die gärtnerische Gestaltung des Parks besonders am Herzen, von einem belgischen Fachmann für die Nachzucht bedrohter Arten als Geschäftsführer ist die Rede.
"Jetzt besteht eine Chance, mit einem neuen Konzept das touristische Potenzial zu nutzen und neue Besucher zu gewinnen", sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Was neu sein muss oder soll, ist noch offen. Die Floralux-Chefs sagten es so: "Wir wollen den alten Glanz wiederherstellen."













