Noch ein Traditions-Unternehmen insolvent
Nach Rollei haben dramatische Absatzeinbrüche auch den Braunschweiger Klavier- und Flügel-Hersteller Schimmel in Bedrängnis gebracht. Das Unternehmen soll nun in einem Insolvenzplanverfahren gerettet werden. „Das Verfahren strebt einen Vergleich mit den Gläubigern an. Ziel ist es, das Unternehmen und alle Arbeitsplätze zu erhalten“, so der Braunschweiger Insolvenzverwalter Joachim Schmitz.
Wie hoch die Schulden des Braunschweiger Klavierbauers Schimmel sind? „Das lässt sich im Moment schwer beziffern, weil wir die Daten noch zusammentragen“, sagt Insolvenzverwalter Joachim Schmitz. Doch er ist zuversichtlich, dass er das traditionsreiche Unternehmen mitsamt den 144 Arbeitsplätzen retten kann. Deshalb wurde zunächst ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet, dem ein Insolvenzplanverfahren folgen soll.
„Durch das vorläufige Verfahren wird das Vermögen des Unternehmens gesichert, bevor Gläubiger Zugriff haben“, sagt Schmitz. In dem Insolvenzplanverfahren soll dann ein Vergleich mit den Gläubigern gefunden werden. „Ziel ist es, dass Schimmel nach dem Verfahren schuldenfrei ist“, erläutert Schmitz. Im Gegensatz zu einem Insolvenzregelverfahren bekämen die Gläubiger in einem Planverfahren nicht nur mehr Geld, sondern auch früher. „In einem Regelverfahren müssten die Gläubiger warten, bis das Vermögen verwertet wurde“, sagt er.
Voraussetzung sei, dass Schimmel über ausreichend Vermögen verfügt. „Unsere dringlichste Aufgabe ist es aber, dafür zu sorgen, dass das Insolvenzgeld von einer Bank vorfinanziert wird“, sagt Schmitz. Mit diesem Geld, das später von der Arbeitsagentur an die Bank überwiesen wird, werden die Löhne der Schimmel-Mitarbeiter bezahlt. Nach Angaben des Schimmel-Betriebsratsvorsitzenden Thilo Kondermann sind die Beschäftigten gestern nicht gänzlich von der Insolvenz-Nachricht überrascht worden. „Sie wussten, dass die Situation seit längerem schwierig war“, sagt er. Die Stimmung sei kämpferisch. Kondermann: „Unsere Aufgabe ist es, motiviert weiterzuarbeiten.“
In einer spontanen Unterschriftenaktion hätten die Mitarbeiter deutlich gemacht, dass sie zum Unternehmen stehen. „Die Krise hat uns eingeholt, der US-Markt ist gänzlich eingebrochen. Dem Management ist kein Fehler vorzuwerfen“, sagte der Betriebsratschef. Burkhard Stein bestätigt, dass die Branche eine schwere Krise erlebt. Stein ist Geschäftsführer des Braunschweiger Klavierbauers Grotrian-Steinweg und Vorsitzender des Branchenverbands Klavier. „Die Auftragsrückgänge betragen 35 bis 40 Prozent“, sagt er.
Der Exportanteil in den deutschen Unternehmen liege bei mindestens 50
Prozent. Betroffen von der Krise seien vor allem Unternehmen, die in den USA
stark vertreten sind. Grotrian-Steinweg selbst gehe es vergleichsweise gut, weil
das Unternehmen in europäische Länder sowie nach Asien und Russland exportiere.
„Wir haben seit März die Arbeitszeit reduziert, arbeiten aber nicht kurz und
werden kein Personal abbauen“, sagt er. Grotrian-Steinweg beschäftigt 60
Mitarbeiter.













