Betrug mit falschen Testsiegeln nimmt zu
Mit einem neuen bundesweit einheitlichen Logo sollen Verbraucher erkennen, welche Lebensmittel frei von Gentechnik sind. Der Schriftzug „Ohne Gentechnik“ werde die bisher üblichen unterschiedlichen Kennzeichnungen ersetzen, sagte Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU). Der Verbraucherzentrale Bundesverband klagt über immer mehr Betrugsfälle mit den bunten Logos und Siegeln.
Die ersten Produkte mit dem neuen Gentechnik-Logo werden voraussichtlich ab Herbst in den Supermarktregalen liegen. „Damit wird es den Verbraucherinnen und Verbrauchern einfacher gemacht, sich für Lebensmittel ohne Gentechnik zu entscheiden.“ Mehrere große Supermarkt-Ketten kritisieren die Einführung des Logos.
Gentechnik-freie Lebensmittel werden gekennzeichnet
Lebensmittel können bereits seit Anfang vergangenen Jahres als gentechnikfrei gekennzeichnet werden – das geschah bisher jedoch nicht einheitlich. Zudem machten nur 20 Firmen davon Gebrauch. Aigner hofft, dass es mit dem neuen Logo mehr werden. In Frage kommen grundsätzlich alle Lebensmittel. Aigner zielt aber vor allem auf Eier, Fleisch und Milchprodukte ab. Die Tiere werden häufig mit gentechnisch verändertem Futter ernährt – da das Genfutter aber in Milch oder Eiern nicht nachweisbar ist, erlaubt die EU auch keinen Hinweis auf die Verwendung davon.
Die Grünen und die Verbaucher-Organisation „Foodwatch“ fordern bereits seit längerem eine verbindliche Kennzeichnung, damit die Bürger informiert sind, wenn sie Gen-Lebensmittel kaufen. „Nur dann besteht vollständige Wahlfreiheit für die Verbraucher“, sagte Ulrike Höfken (Grüne), die Vorsitzende des Agrarausschusses im Bundestag. Heikel wird die Kennzeichnung etwa von Fertiggerichten sein. Bei einer Pizza müsste bei allen Bestandteilen nachgewiesen werden, dass sie ohne Gentechnik hergestellt worden sind.
"Logos ersparen Verbrauchern eigene Recherchen"
Dass Verbraucher mit einem weiteren Logo auf Verpackungen von Konsumgütern überfordert werden, glaubt der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) nicht. "Die Logos sind sehr informativ", ist Helke Heidemann-Peuser überzeugt. Vor allem bei den vergleichenden Warentests seien die Hinweise hilfreiche Informationen. "Damit müssen sich die Verbraucher nicht selbst die Mühe machen, Produkte zu vergleichen."
Dennoch gebe es auf dem Markt derzeit eine Vielzahl nichtssagender Siegel, für die es laut VZBV nicht einmal nachvollziehbare Testkriterien gebe. Größere Bedenken habe der Verband jedoch angesichts der immer häufiger werdenden Betrugsfälle mit den Siegeln. Bis zu 100 Missbrauchsfälle verzeichnet die Stiftung Warentest in jedem Jahr, 40 Öko-Test, teilte der VZBV mit. Der Grund: Als "gut" oder gar "sehr gut" bewertete Produkte ziehen Käufer an. Unternehmen könnten mit fälschlicherweise angebrachten Testgutachten ihre Verkäufe ankurbeln.
Fachmarkt warb mit Handy-Testurteil für eine Mikrowelle
Auch große Unternehmen werden beim Mogeln erwischt. "Ein Elektronik-Fachmarkt hat zum Beispiel mit einem Testurteil für ein Handy geworben, das eigentlich für eine Mikrowelle gedacht war", erzählt Heidemann-Peuser. Der Verband weiß sich allerdings zu wehren. "Wir fordern die Unternehmen auf, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben", sagt Heidemann-Peuser. "In 10 bis höchsten 25 Prozent aller Fälle müssten die Streitigkeiten von einem Gericht geklärt werden. "
Seit 2004 können schwarze Schafe in einem so genannten Gewinnabschöpfungsverfahren verurteilt werden. "Allerdings müssen wir den Firmen nachweisen, vorsätzlich mit einem falschen Logo für ein Produkt geworben und so Gewinne erzielt zu haben", erklärt Heidemann-Peuser. In einem Musterprozess wurde ein Discounter so bereits zur Zahlung von 25 000 Euro verurteilt.













