Falsche Enkel betrügen seit zehn Jahren
Die berüchtigte Enkelmasche hat ein trauriges Jubiläum. Vor zehn Jahren warnte das niedersächsische Landeskriminalamt erstmals vor Betrügern, die älteren Menschen am Telefon vorgaukeln, sie seien Verwandte in einer finanziellen Notlage, um an das Ersparte ihrer Opfer zu gelangen.
„Trotz aller Aufklärung funktioniert der Trick bis heute“, sagt LKA-Sprecher Falco Schleier. Die Zahl der Taten nehme tendenziell sogar zu. 2009 wurden in Niedersachsen 425 vollendete oder versuchte Enkeltricks gemeldet. Die Gauner erbeuteten dabei 430 000 Euro. Erst in dieser Woche wurden aus Nienburg wieder mehrere Versuche bekannt. In Hildesheim büßte ein Rentner vor einigen Wochen 10 000 Euro ein. „Dass die Betrügereien immer wieder klappen, liegt auch an der Arglosigkeit und der Hilfsbereitschaft der Opfer“, sagt der Hildesheimer Polizeisprecher Klaus Kubik.
Dabei gehen die Kriminellen seit Jahren immer nach derselben Masche vor: Ein Anrufer meldet sich am Telefon und gibt vor, ein naher Angehöriger zu sein. Dabei erklärt er zunächst, er sei erkältet, weshalb seine Stimme nicht zu erkennen sei. Dann versucht er durch eine geschickte Gesprächsführung den Namen eines Enkels oder Neffen der Angerufenen zu erfahren. Anschließend täuscht der falsche Verwandte eine finanzielle Notlage vor und behauptet, er benötige dringend Geld für den Kauf eines Autos, eines Computers oder unerwartet eingetroffene Waren. Dafür bittet er dann um einen größeren Geldbetrag. Zur Übergabe erscheint dann ein Mittäter, der sich das Geld unter Nennung eines zuvor am Telefon vereinbarten Codewortes aushändigen lässt.
Die Polizei hat in den vergangenen Jahren zwar immer wieder Enkelbetrüger gefasst. Die Masche sei aber offenbar so erfolgversprechend, dass sie von immer neuen Tätern angewandt wird, sagt LKA-Sprecher Schleier. Allein in den ersten Wochen dieses Jahres waren die Gauner landesweit bereits wieder 58 Mal aktiv. Dabei brachten sie ihre Opfer um zusammen knapp 40 000 Euro.
Einen der größten Einzelbeträge ergaunerten Enkel-Betrüger vor einigen Jahren in der Samtgemeinde Oberharz, wo eine Rentnerin 70 000 Euro hergab. In Hannover erbeutete ein Täter im Jahr 2006 sogar mehr als 100 000 Euro auf einen Schlag.
In den vergangenen zehn Jahren registrierte das LKA in Niedersachsen rund
2700 versuchte oder vollendete Enkeltricks. Dabei fielen den Tätern insgesamt
fast drei Millionen Euro in die Hände. Die Ermittler gehen allerdings davon aus,
dass der wahre Schaden wegen einen großen Dunkelziffer noch erheblich höher ist,
weil sich einige Opfer aus Scham nicht melden. dpa













