Helmstedts Rat stimmt für Designer-Outlet
Nach Wolfsburg will auch Helmstedt ein großes Fabrikverkaufszentrum für Designer-Mode ansiedeln. Das hat der Rat der Stadt gestern nach hitziger Debatte beschlossen. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die Region haben.
Denn die sogenannten Outlets sind nicht einfach irgendwelche Einkaufszentren. Nur sieben gibt es bisher in Deutschland, eines davon in Wolfsburg. Fabrikverkaufszentren locken Kunden über Hunderte von Kilometern an, sie ziehen Kaufkraft aus fernen Städten ab.
Deshalb darf keine Kommune allein entscheiden, ob ein Outlet sich dort ansiedelt. Helmstedt muss noch einige Hürden nehmen, und ob das gelingen kann, prüft der Zweckverband Großraum Braunschweig. Diese Behörde kommt immer dann ins Spiel, wenn kommunale Vorhaben sich auch auf andere Städte und Kreise der Region auswirken.
„Wenn alle Unterlagen vorliegen, prüfen wir den Antrag aus Helmstedt“, bestätigt Ulrich Kegel vom Zweckverband. Bisher gebe es lediglich eine „Ideenskizze“. Bevor die Behörde das sogenannte Raumordnungsverfahren eröffnet, muss ein detaillierter Antrag her.
Kegel: „Der Antragsteller muss in Gutachten überzeugend darlegen, dass Einzelhandel, Verkehr und Umwelt nicht zu sehr beeinträchtigt werden.“ Danach geben Verbände und Behörden Stellungnahmen ab. „Diese Phase dauert sechs Monate“, sagt Kegel. Erst wenn nach diesem Verfahren die Planungsbehörde entscheidet, dass das Vorhaben „raumverträglich“ ist, kann die Stadt Helmstedt wirklich mit der Bauleitplanung beginnen.
In Helmstedt lässt sich ein Konflikt beobachten, der bereits an vielen Orten
in Deutschland ausgetragen wurde: Investoren kämpfen um Genehmigungen für
Fabrikverkaufszentren, weil die lukrativ sein können. Und sie wissen Millionen
von Schnäppchenjägern auf ihrer Seite.
Auf der anderen Seite befürchten
Stadtplaner eine Verödung der Innenstädte. Einzelhändler bangen um ihr Geschäft:
Ungleicher Wettbewerb, Umsatzrückgänge, Geschäftsaufgaben, Jobverluste,
Umweltprobleme wegen des zusätzlichen Verkehrs – das sind die Befürchtungen.
Wie der Fabrikverkauf die Beteiligten elektrisiert, zeigt ein Zwist zwischen der Industrie- und Handelskammer Braunschweig und dem Zweckverband. Die Kammer verdächtigt den Verband, mit der Stadt Helmstedt zu tricksen, damit das Outlet-Center leichter genehmigt werden kann. Kegel beteuert: „Das ist nicht wahr.“ Briefe wurden hin und her geschickt, demnächst trifft man sich zum klärenden Gespräch.
Regina Leitner, Chefin des Wolfsburger Fabrikverkaufs, warnt vor einer „Kannibalisierung“. Helmstedt eigne sich nicht als Standort für ein weiteres Zentrum, allein das Einzugsgebiet der Wolfsburger betrage ja 200 Kilometer. Derzeit läuft ein Antrag auf Erweiterung des Centers: Die Verkaufsfläche soll von 10 500 auf 17 500 Quadratmeter wachsen.













