U2 rocken das Stadion von Hannover 96
Die irische Band spielt ein starkes Konzert vor 57 000 Fans in der ausverkauften AWD-Arena in Hannover. Viele der Besucher sind deutlich über 30 und adrett bürgerlich, trotzdem toben sie zur Musik der ewigen Rebellen aus Dublin.
Was für eine staatstragende Band U2 doch geworden sind. Die Zehntausende, die gestern Nachmittag zur Hannoveraner AWD-Arena strömen, sind zumeist deutlich jenseits der 30 und adrett gekleidet. Die ein oder andere trägt das Band-T-Shirt über der schicken Bluse zu Perlohrringen.
Sogar der Überbürger ist gekommen. Christian Wulff hat seiner Frau Bettina die Karten zu Weihnachten geschenkt. Ob „Sunday bloody Sunday“ in den frühen 80er Jahren auch die Partys der Jungen Union elektrisiert hat? Als Bundespräsident kann Wulff möglicherweise Versäumtes gestern nachholen.
Aber erstmal gibt’s „Beautiful Day“. Passt auch. Der graue Himmel ist aufgerissen, als U2 gelassen auf die ovale Plattform inmitten der riesigen Bühnenkonstruktion schlendern. Wie eine Mischung aus Insekt und Weltraumstation schaut die aus. Unter der Decke ein kreisförmiger Videoschirm, auf dem man die Falten in den markanten Gesichtern der vier Anfangfünfziger und Endvierziger zählen kann. Manchmal illustrieren auch Animationen die Songs. Einmal wird gar ein Astronaut in einer Raumstation eingeblendet, der einen verantwortungsvollen Gruß ans Publikum richtet.
Den alten Hit „New Years Day“ schickt die bis auf den schwarzledernen Sänger
Bono unscheinbar gekleidete Band gleich hinterher. Der Haufen der 2000 Fans, die
einen Platz zwischen der Innenbühne und dem Laufsteg ergattert haben, der sie in
einem einigem Abstand umrundet - der Haufen kocht. Die 55 000 übrigen im
ausverkauften Rund kochen auch.
Auf der VIP-Tribüne mag der Bundespräsident
indes schnell zum Oropax greifen, sonst versteht er seine Mitbürger in den
nächsten Tagen nicht mehr. Es ist nämlich bocklaut. Bei den ohnehin seit 30
Jahren schneidend hellen Gitarrenriffs von The Edge kräuselt sich das
Trommelfell. Yes! Ist schon noch Rock‘n‘Roll, was U2 machen.
Obwohl, hallo, Oropax schnell wieder raus! Nachdem Bono artig alle Fans begrüßt und ihnen erzählt hat, dass er Deutschland liebe und dass es deutsche Ärzte und Krankenschwestern waren, die ihn nach seinem Bandscheibenvorfall vor drei Monaten wieder repariert und ihm „Made in Germany“ auf den Allerwertesten gestempelt hätten - danach adressiert er sich an „Herrn Wulff und seine Frau Bettina: Schön, dass Sie bei uns sind.“ Schlaufuchs der. Nach dem Konzert wird bestimmt über Unterstützung für seine Hilfsprojekte gesprochen.
Doch erstmal zelebriert das Quartett einen gut abgehangenen Songmix quer durch die Bandgeschichte. „City of blinding lights“, „She moves in mysterious ways“, „Still haven‘t found“ bis hin zum nagelneuen „Glastonbury“. In oft ganz schön krachigen Versionen und immer in Bewegung auf den Laufringen. Irgendwann erscheinen auf dem Videoschirm Bilder von protestierenden Studenten in Teheran. Und dazu rockt: „Sunday bloody Sunday“.













