Sprechende Mülltonnen in Braunschweig
Die Besucher der Braunschweiger Innenstadt sollen in Zukunft mehr Spaß daran haben, Abfall in Mülltonnen zu werfen. 20 besondere Tonnen sind dazu aufgestellt worden. Bei jedem Einwurf piepen und fiepen sie fröhlich vor sich hin.
Braunschweig, so Karsten Behr von der Bingo-Umweltstiftung, sei damit die weltweit erste Stadt, in der die originellen Tonnen in großer Anzahl zu finden seien. Die Bingo-Umweltstiftung will mit ihrer Hilfe in Erfahrung bringen, ob sich in Braunschweig höchst positive Erfahrungen aus Schweden wiederholen lassen.
Dort wurden nämlich vor rund 50 Jahren Tests mit sprechenden Tonnen angestellt und dabei Erstaunliches in Erfahrung gebracht: Sprechende Tonnen enthielten 40 Prozent mehr Müll als stumme. Rund 21 000 Euro aus dem Landesanteil vom Glücksspiel wurden darum von der Bingo-Stiftung investiert, um für Braunschweig gleich 20 Edelstahl-/Bambusholz-Überstülper anfertigen zu lassen. Sie verdecken im Innern nun haushaltstypische 120-Liter-Tonnen.
Ob sich der Erfolg der sprechenden Schweden-Tonnen wiederholen lässt, ist freilich unklar. Denn die Braunschweiger sprechenden Tonnen können nicht sprechen. Sie sind aber auch nicht stumm. Denn bei Einwurf fiepen und piepen sie, grunzen wie ein Monster oder gurgeln wie eine Klospülung.
Aus acht verschiedenen Geräuschen wird per Zufallsgenerator eins ausgewählt und von einem kleinen Lautsprecher wiedergegeben. Auslöser ist im Deckel der Tonne ein Bewegungsmelder. Der registriert, wenn Abfall in die Tonne geworfen wird. Für die Stromversorgung ist ein kleiner Solar-Kollektor auf dem Deckel verantwortlich.
Tonnen-Paten sorgen für sicheres Nachtquartier
Auskonstruiert scheinen die Leihgaben der Bingo-Stiftung freilich nicht zu sein. Weil die Tonnen nicht vandalismussicher sind, holen sie nächtens so genannte Tonnen-Paten in den Schutz ihrer sicheren Geschäfte. Die Vereinigung der Innenstadt-Kaufleute hat entsprechende Kontakte hergestellt.
Auch technisch scheinen die fiependen Mülltonnen-Überstülper noch nicht ausentwickelt. Der Bewegungsmelder ist mittig im Deckel angebracht und lässt darum die letzte Auslöse-Präzision beim Einwerfen von Müll vermissen. Deshalb bleibt trotz Müll-Einwurfs mitunter die Tonne stumm. Behr hat angekündigt, dass bei der Position des Bewegungssensors wohl noch nachgebessert werden müsse, um tatsächlich bei jedem Müll-Einwurf sicher das spaßige Fiepen auszulösen.
Mit ihren originellen Mülltonnen-Überstülpern hat die Bingo-Stiftung noch Großes vor: Sollten sie sich in den nächsten sechs Wochen in Braunschweig bewähren, werden sie in die Landeshauptstadt gefahren, die Hannoveraner zu bespaßen.













