Studenten können nicht rechnen
80 Prozent fielen bei der ersten Mathe-Klausur durch Professoren geschockt
BRAUNSCHWEIG. Professoren schlagen Alarm: Die Mathematik-Kenntnisse der meisten Studienanfänger in den Ingenieur- und Naturwissenschaften sind katastrophal.
In der Technischen Universität (TU) Braunschweig traute Mathematik-Professor Karl-Joachim Wirths seinen Augen nicht. Seit 1980 bietet er schon Mathematik für die Elektro-Technik an. "Aber so schlimm war es noch nie", sagt er.
Als für die angehenden Elektro-Techniker nach dem 1. Semester die Mathe-Klausur anstand, war das Ergebnis niederschmetternd: 80 Prozent fielen durch. Es war der normale Stoff, den man braucht: Analysis, lineare Algebra. "Die meisten sind bei der Kurvendiskussion gescheitert", sagt der gestandene Mathematiker Wirths (63) geschockt. Bislang lag der Spitzenwert der Durchfaller-Quote bei 45 Prozent. Nun sind es fast alle.
Ähnliches registrierte Mathematik-Professor Thomas Sonar bei den Vorbereitungs-Kursen in elementarer Mathematik. Hier treten freiwillig Studenten an, die in die Ingenieur- und Naturwissenschaften drängen. Von 1000 Studenten schnitten in Braunschweig allerdings 300 mit null Punkten ab.
Auch aus der TU Clausthal im Oberharz werden ernüchternde Zahlen gemeldet. Mathe-Professorin Petra Huhn macht Betriebswirtschaftler (BWL) und Chemiker fit in Differential- und Integralrechnung. Bei BWL gabs in der ersten wichtigen Klausur ein Desaster: Zwei Drittel fielen durch. Zum Glück kann man die Prüfung in Clausthal beliebig oft wiederholen.
Auch Karl-Joachim Wirths in Braunschweig zog Konsequenzen: Er stellte seinen Studenten die gleichen Aufgaben nur mit anderen Zahlen. Da wurde es etwas besser. Wirths: "Es muss sich jedoch grundlegend etwas ändern. Schulen bereiten auf Anforderungen im Studium nicht mehr ausreichend vor".
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