"Die Taschenrechner sind schuld"
Studenten versagen in Mathematik Experten: An den Schulen werden wichtige Inhalte nicht vermittelt
BRAUNSCHWEIG. Mathematik-Professor Karl-Joachim Wirths von der TU Braunschweig hat einen schlimmen Verdacht: Die modernen graphikfähigen Taschenrechner verderben den Mathe-Unterricht an den Gymnasien.
Die Rechner waren auch in Niedersachsen flächendeckend für jeden Schüler eingeführt worden, um Mathe nach vorn zu bringen. "Das ist offenbar schrecklich gescheitert. Unsere Studenten können nicht mehr mit der Hand rechnen", sagt Wirths.
Kollege Thomas Sonar pflichtet ihm bei: "Mathematik wird an den Schulen nicht mehr vollständig unterrichtet. Es ist erschütternd." Sonar kritisiert heftig, dass ständige Reformen wichtige Mathe-Inhalte aus dem Unterricht entfernen. Elementare Fähigkeiten im Rechnen würden nicht mehr gelernt. Zur Frage der Taschenrechner meint Sonar nur: "Grauselig."
Dabei ist bemerkenswert, dass beide Mathematik-Professoren zu jenen Experten gehörten, die die Einführung der graphikfähigen Rechner vorangetrieben haben. Es ging ihnen auch darum, Spaß am oft ungeliebten Stoff zu vermitteln und die Schüler durch neue Möglichkeiten gleichsam zu den Wurzel der Mathematik vorstoßen zu lassen. Offenbar mit frustrierendem Ergebnis: "Noch nie hatten wir so viele Studenten, deren mathematische Fähigkeiten für ein Studium einfach nicht ausreichen", sagt Wirths. Und er hat noch eine andere Beobachtung gemacht: "Manchmal muss man drei Stunden lang konzentriert arbeiten. Viele Studenten sind schon nach einer halben Stunde fix und fertig."
In der Ursachenforschung macht Mathematik-Professorin Petra Huhn von der TU Clausthal noch eine andere Rechnung auf. "Der Stellenwert von Mathematik in der Gesellschaft ist zu gering. Es ist schick, sich damit zu brüsten, dass man von Mathe keine Ahnung hat", sagt sie.
In der Summe stehen die Hochschulen vor einem doppelten Dilemma: Ingenieur-Studenten sind Mangelware, die schlimmen Mathe-Lücken verschärfen das Problem.











