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13. Februar 2012
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Wahl-Prognosen trafen ins Schwarze

Neun von zehn Direktkandidaten siegten wie vorhergesagt – Meinungsforscher weisen SPD-Kritik zurück

Von Uwe Hildebrandt

BRAUNSCHWEIG. "Ich freue mich auf die langen Gesichter der Meinungsforscher", erklärte SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner im TV-Duell. Vier Tage später machte er selbst ein langes Gesicht. Er hatte noch schlechter abgeschnitten als prognostiziert.

Jüttner hatte den Eindruck, dass die SPD bei den Meinungsforschern viel zu schlecht wegkam. Die Wähler straften ihn Lügen, die Prognosen trafen im Großen und Ganzen zu.

Das Gleiche gilt für die Erststimmen-Prognosen, die unsere Zeitung neun Tage vor der Wahl für die Region veröffentlichte: In neun von zehn Wahlkreisen setzte sich schließlich der Direktkandidat durch, der auch in der Prognose vorne gelegen hatte.

Nur im Wahlkreis Salzgitter-Lengede kehrten sich die Verhältnisse ins Gegenteil: CDU-Direktkandidatin und Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann, die das Institut Election.de in Salzgitter/Lengede knapp vorne gesehen hatte, stürzte bei der Wahl förmlich ab. Ihr Konkurrent Stefan Klein (SPD) gewann klar.

Im Peiner Wahlkreis 4 war Election.de in der Prognose auf ein 45-Prozent-Patt gekommen. Bei der Wahl siegte dann Matthias Möhle mit 43,4 Prozent. Eine Punktlandung gab es bei Ingrid Klopp (CDU) im Wahlkreis Gifhorn-Nord/Wolfsburg, für die 52 Prozent prognostiziert worden waren.

Die Kritik aus SPD-Kreisen, die Umfragen hätten die SPD in ein Stimmungstief manövriert, wiesen die Chefs namhafter Umfrageinstitute im Gespräch mit unserer Zeitung zurück.

"Für solche Theorien hat es noch nie Belege gegeben", erklärte Forsa-Chef Professor Manfred Güllner, "die Wähler nehmen gerne Umfragen zur Kenntnis, aber sie wählen nicht danach."

Güllner spielt den Ball vielmehr an die Sozialdemokraten zurück: "Die SPD in Niedersachsen wusste doch, dass Wolfgang Jüttner null Chancen hat. Da sie ihn trotzdem aufgestellt hat, muss sie auch die Konsequenzen tragen." SPD-Wähler, die Christian Wulff (CDU) besser als Jüttner fänden, seien bei der Wahl eben einfach zu Hause geblieben.

Bezüglich der Auswirkungen von Umfragen auf das Wählerverhalten werden immer wieder zwei widerstreitende Thesen diskutiert: Der "Bandwaggon-Effekt" zielt darauf ab, dass Menschen gerne auf der Siegerseite stehen und daher lieber für den voraussichtlichen Wahlsieger stimmen. Der "Mitleidseffekt" würde ziehen, wenn Wähler zum Beispiel Wolfgang Jüttner die Stimme geben, damit dieser nicht zu sehr abgestraft wird. "Beide Effekte sind aber nicht nachweisbar und würden sich zudem auch gegenseitig aufheben", erläutert Güllner.

Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer von Emnid, bläst in das selbe Horn: "Wenn die Beliebtheit des Spitzenkandidaten so gering ist, dann darf sich doch keine Partei über ihre Umfragewerte wundern – 30 Prozent sind doch dann ganz gut."

Dass die Umfragen das Wählerverhalten zu Ungunsten der SPD beeinflusst haben, hält er für ausgeschlossen: "Umfragen haben nur bei einem Thema einen nachweisbaren Effekt: Das ist die Fünf-Prozent-Hürde." Liege eine Partei bei drei Prozent, überlegten sich viele Wähler, ob sie Gefahr laufen, ihre Stimme zu verschenken. Wenn eine Partei bei fünf Prozent liege, könne das zusätzlich mobilisieren.

Schöppner, der sein Geld mit Meinungsforschung verdient, hält Umfragen vor einer Wahl für unverzichtbar: "In einer Zeit von unzähligen Kommentaren und Politiker-Statements ist es sehr wichtig, die wirkliche Meinung des Volkes zum Ausdruck zu bringen." Der Emnid-Chef verteufelt die "Demagogie der Politiker": "Demoskopie ist hingegen gelebte Demokratie."

Donnerstag, 31.01.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/7910270/menuid/2046

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