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11. Februar 2012
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Hannover sucht den Hauptstadt-Glanz

Gespräche zur Stadtentwicklung – Bürger: Mehr Wohnquartiere, weniger Beton

Von Michael Ahlers

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HANNOVER. Als Hauptstadt des Pessimismus erscheint Hannover in einer neuen Studie: Nur 44 Prozent der Befragten sehen optimistisch in die Zukunft. Ohnehin debattiert Hannover über seine Zukunft – wieder einmal.

"Hannover City 2020" heißt das Projekt, mit dem die Niedersachsen-Metropole vorankommen und das negative Image einer hässlichen, provinziellen und langweiligen Stadt abschütteln will.

Zu den drei Moderatoren des "2020"-Bürgerdialogs gehört der frühere Landtagspräsident Rolf Wernstedt (SPD). Auf 40 Seiten haben die Vordenker Diskussionspunkte aufgelistet: Von Un-Orten ist die Rede und von einer Festivalisierung der Innenstadt mit einer beliebigen Abfolge von Veranstaltungen. Die Innenstadt sei einseitig aufs Einkaufen ausgelegt. "Die drei sollten eine moderierende Funktion einnehmen", mäkelte ein Hannoveraner Ratspolitiker.

Mit kleinteiligem Gefrickel an einem Leitbild, wie es bei Niedersachsens Kommunen vor rund einem Jahrzehnt modern war, will sich aber nicht jeder aufhalten: "Hannover neu denken" war das Motto eines Vortrags, den Michael Braum von der Bundesstiftung Baukultur kürzlich vor 700 Zuhörern im Sprengel-Museum gehalten hat.

Braum arbeitete sich vor allem an Bausünden ab und rügte "autistische Architektur". Mit Fotos von berüchtigten Betonwüsten wie Ihme-Zentrum, Kröpcke-Center oder Raschplatz-Hochstraße belegte der frühere Hannoveraner Uni-Professor, was er meint. "Hannover hat das Wohnen und Leben in der Innenstadt unglaublich vernachlässigt", so Braum. Kaufhäuser und Parkhäuser gebe es überreichlich.

Zuhörer bemängelten, es gebe zu wenig Wohnquartiere in der Innenstadt, auch ansprechende Plätze für Jugendliche und Spielplätze fehlten. "Wir sind eine Woche lang Stadt der Wissenschaft, dann kinderfreundlich, dann dieses und jenes", stellte der frühere Gilde-Chef Michael Beck fest. Für bis zu 120 000 Euro lässt die Hannover-Holding, die Beck leitet, gerade ein neues Werbekonzept erstellen. Beim Image habe die ganze Region Nachholbedarf, heißt es darin.

Dabei ist viel passiert, vor allem seit der Expo. Bahnhof und Bahnhofspassage wurden besucherfreundlich erneuert, in der Stadt häufen sich die Großbaustellen, ein Einkaufszentrum eröffnet in Kürze, die Freizeitattraktion Herrenhausen soll das Schloss wiederbekommen, das Kröpcke-Center soll in alter Form verschwinden.

Bei Umfragen zur Lebensqualität und Zufriedenheit schneidet die Hauptstadt gut ab. 83 Prozent der Befragten sagten 2002, sie lebten gern oder sehr gern in der Stadt. Vor zwei Jahren gab es bei mehr als 1000 Befragten die Gesamt-Schulnote 2,3 für die Lebensqualität in der Innenstadt.

Dass Hannover in der aktuellen Zufriedenheits-Umfrage der Universität Hohenheim und der Allianz nun hingegen den letzten Platz belegt, ist aus Sicht der Wissenschaftler durch den Conti-Übernahmekampf, die Bankenkrise und den Cebit-Abwärtstrend erklärbar.

Michael Braum macht der Stadt denn auch Mut und lobt den Hannoverschen Weg des Dialogs mit den Bürgern. Die Stadt des 19. Jahrhunderts könne man aus Hannover allerdings nicht mehr machen.

Als Utopie legten Studenten am Reißbrett aber schon mal einen nach dem Zweiten Weltkrieg verschütteten Nebenarm der Leine frei. Das Ziel: Wohnen am Wasser und eine neue Leine-Insel. Derzeit verläuft dort eine sechsspurige Straße.

Montag, 06.10.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/9236969/menuid/2046

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