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12. Februar 2012
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Der Liebe wegen in die Schweiz

Der gefeierte Jazzposaunist Nils Wogram stattete seiner Heimat einen Osterbesuch ab

Von Ann Claire Richter

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Nein, er ist nicht weggegangen, weil’s ihm hier missfiel. Er wollte nichts hinter sich lassen, nichts abschütteln. Braunschweig und Groß Schwülper, das bedeutet Heimat für Nils Wogram. Hier sind die Eltern, hier leben Oma und Opa seiner beiden Kinder. Das ist Wohlfühlen beim Nachhausekommen.

Wogram ging – erst fünf Jahre nach Köln, dann zwei nach New York –, weil er lernen, studieren, sich entwickeln wollte. "In manchen Dingen bin ich Perfektionist und ziemlich radikal. Ich wusste: Ich will richtig gut werden, und da alle meine Helden in New York lebten, musste ich da eben hin!"

Längst ist Nils Wogram richtig gut. Und mehr als das: Weltspitze. Von der Wochenzeitung "Die Zeit" etwa als "Hoffnungsträger des europäischen Jazz" gefeiert. Und dabei herrlich sympathisch auf dem Boden geblieben. Kein Hauch von abgehobenem Gehabe, kein weltmännisches Geschwätz, wie so oft in dieser Preisklasse.

Liebe auf den ersten Blick

Nils Wogram ist geerdet. Lebt mit seiner Familie in Zürich, geht auf Hüttentouren und Pilzesammeln. Tochter Nelly (6) liebt Kirmes, und mit Papa ist’s dort eben besonders toll.

Warum gerade Zürich? "Meiner Frau Corinne wegen", erklärt der 36-Jährige. Die ist Schweizerin, lebte einst mit einem Musiker, der mit Wogram in Zürich auftreten sollte, in einer Wohngemeinschaft. Der Musiker überredete sie, doch nun endlich mal zu einem seiner Konzerte zu kommen. Sie kam schließlich – "und bei uns war es Liebe auf den ersten Blick", sagt Wogram lachend.

Da er selbst viel unterwegs ist mit der Posaune, wollte er Corinne nicht aus Zürich loseisen. Dort hat sie schließlich ihren Job, ihre Familie, ihre Freunde. "Der Vorteil meines Berufs: Ich sehe viel von der Welt. Der Nachteil: Immer wenn ich arbeite, bin ich weg von Zuhause." Doch Wogram weiß, Prioritäten zu setzen. Längst nimmt er nicht mehr jede Konzertanfrage an, schaut genauer hin, ob es Sinn macht und sich lohnt. "Als reisender Musiker musst du manchmal kompromisslos sein", meint er, und als Etablierter kann er es sich leisten, Zeit für die Familie zu nehmen. "Das ist ein super Luxus."

Nils Wogram ist ein Teamspieler und setzt auf Beständigkeit. Er schätzt es, dauerhaft mit Kollegen zusammenzuarbeiten, weil sich nur so blindes Verständnis entwickeln kann. "Die tiefste Musik wurde doch gemacht von Bands, die lange zusammen waren", sagt er und führt die "Beatles" ins Feld und das "Miles Davis-Quartett".

Glücksfall Jazzkantine

Vier Projekte hat Wogram derzeit parallel am Start. Wenn’s nach ihm ginge, müssten sie nicht unbedingt mit seinem Namen verknüpft sein. "Aber beim Jazz wird eben auf Namen geachtet. Das ist einfacher zu promoten", sagt er achselzuckend. Nein, auf der Bühne sei alles Teamarbeit, eine Mannschaftsleistung. So wie damals mit der Jazzkantine in Braunschweig. "Die war ein Glücksfall für mich", meint er. Im Herbst ’94 stieg er dort ein. "Damit war ich frei von finanziellen Nöten, hatte immer genügend Arbeit." Und die Jazzkantine sei auch sehr entgegenkommend gewesen, was seine eigenen Projekte betraf. "Ich bin für diese Zeit sehr, sehr dankbar."

Und dankbar war er auch, beim Auftritt am Ostersonntag im "Schimmel-Auswahlcentrum" so viele altbekannte Gesichter wiederzusehen. Sogar ein alter Schulkamerad ist gekommen. "Konzerte in der Heimat sind halt was ganz besonderes…", meint er fröhlich.

Mittwoch, 15.04.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/10158202/menuid/2048
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