Studie: Hohe Löhne sind Braunschweigs Schwäche
Oberbürgermeister und Wirtschafts-Experten kritisieren bundesweite Untersuchung
Skepsis schwingt mit, wenn Oberbürgermeister und Fachleute aus der Wirtschaft die Regional-Rangliste der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bewerten. Braunschweig belegt Rang 215 unter 409 Städten und Kreisen.
Oberbürgermeister Gert Hoffmann findet es widersprüchlich, dass eine Studie aus dem selben Haus Braunschweig vor einem halben Jahr noch auf Platz zehn unter den deutschen Großstädten gesehen hat. "Obwohl Rankings grundsätzlich interessant sind, macht mich das skeptisch, zumal es mittlerweile zu viele Ranglisten dieser Art gibt. Das macht es undurchsichtig", so Hoffmann.
Die von der Initiative herausgearbeiteten Schwächen (siehe Grafik) lägen allesamt nicht im Einflussbereich der Stadt. "Das Problem aus meiner Sicht: Die Hauptschwäche Braunschweigs kommt gar nicht zum Tragen nämlich das Image unserer Stadt, an dem wir weiter intensiv arbeiten", so Hoffmann. Die genannten Stärken seien nicht überraschend aus Sicht der Stadt, bestätigten aber die Bemühungen.
Bernd Meier, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, sagt: "Was das wirtschaftliche Profil angeht, schneidet Braunschweig durchaus positiv ab." Die Studie bestätige die Entwicklung der letzten Jahre. Die landesweite Spitzenposition beim Anteil der Hochqualifizierten sichere die Attraktivität des Standorts auch über die Krisenzeiten hinaus.
Gar nicht einverstanden sind Hoffmann und Meier ebenso wie Otto Schlieckmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, mit der Bewertung der Lohnkosten. "Was die Studie als Schwäche deklariert, sehe ich eindeutig als Stärke. Hohe Arbeitskosten sind Indiz dafür, dass es hier viele hochqualifizierte Kräfte gibt. Das ist ein Zeichen von Stärke und relativiert auch den vergleichsweise schlechten Platz", so Schlieckmann.
Einen differenzierteren Blick wünschte er sich bei der Betrachtung der Gründungsdynamik: "Bei der überwiegenden Zahl der Gewerbeanmeldungen handelt es sich um Kleinstgewerbe. Aus den Zahlen kann man also gar keine Schlüsse über die Qualität und über die Impulse für die Wirtschaft ziehen."











