Polizei räumt besetztes Genmais-Feld
Forschungsfelder sollen in Zukunft besser bewacht werden - Mahnwachen im Kanzlerfeld
Drei Tage hatten die Umweltaktivisten unbehelligt das Genmais-Feld bei Völkenrode besetzt. Gestern um 16.45 Uhr begann die Polizei mit der Räumung. Kurz vor 21.30 Uhr meldeten die Beamten Vollzug, wenngleich sich ihr Einsatz noch länger hinzog.
Das Johann-von-Thünen-Institut (VTI), ehemals FAL, hatte Montag früh die Entscheidung getroffen, das besetzte Feld räumen zu lassen. Auf dem Feld soll demnächst gentechnisch-veränderter Mais ausgesät und erforscht werden.
Das Institut begründete das Ende der Duldung mit einer neuen Situation auf
dem besetzten Gelände. „Es sind große Hauszelte aufgestellt und Gräben gezogen
worden“, so VTI-Sprecher Michael Welling. Das nannte er: „Eskalation.“
Ein Rechtsanwalt hat darauf hin die Stadt Braunschweig gebeten, die unerwünschte Versammlung der Genmais-Gegner auf dem VTI-Gelände zu beenden.
Seitens der Stadtverwaltung hieß es: „Gemäß Versammlungsrecht ist eine Versammlung dann nicht zulässig, wenn der Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Versammlung abgehalten wird, dies nicht oder nicht mehr duldet.“ Als zuständige Versammlungsbehörde hat die Stadt eine Räumung des Geländes binnen einer Stunde verlangt. Um 16 Uhr lief die Frist aus.
Durch den Nebeneingang des VTI-Geländes, durch den Freitag die Besetzer
kamen, kam gestern um 16.30 Uhr das schwere Gerät der Polizei: ein Hubsteiger,
um die Besetzer aus dem hohen Protest-Turm zu holen; ein Unimog mit
Grabeschaufel und schließlich ein Anhänger mit großen Leuchten. Gegen 21.30 Uhr
holten die Beamten die letzten Widerständler aus dem Baumstamm-Gestänge auf den
Boden zurück.
Die Räumung war eine komplizierte Angelegenheit. Die Besetzer hatten sich an einen Betonblock gekettet, in dem ihre Arme bis zu den Schultern steckten. Die Polizei durchbohrte den Block. Ein Kran hob ihn samt Demonstranten auf einen Lastwagen zum Abtransport. Bei Redaktionsschluss war die Polizei noch damit beschäftigt, den Klotz zu zerlegen, um die Aktivisten zu befreien.
VTI-Sprecher Welling meint: „Unser Institut will zwar keine Festung werden. Die Besetzung hat jedoch gezeigt, dass unsere Forschungsfelder besser bewacht werden müssen.“ Wer dies bezahlen wird, ist noch unklar.
Die Genmais-Gegner sehen ihren Protest als Erfolg. Heiner Schrobsdorff, ein Sprecher aus Braunschweig, meint: „Ich hoffe, die Bundesregierung nimmt den Protest wahr und verabschiedet Qualitätsstandards für Lebensmittel. Gentechnisch-veränderte Pflanzen bergen unkalkulierbare Risiken für Menschen und Natur.“
Trotz der Räumung geht der Protest vor dem VTI am Kanzlerfeld weiter: Demonstranten haben eine Genehmigung erhalten, vor dem Haupteingang zwei Wochen lang Mahnwache halten zu dürfen.











