Bahnkunden verärgert: Nur Wolfsburg und Hannover profitieren vom Spätzug
Wer freitagabends aus Berlin kommt, muss mit dem Bus nach Braunschweig fahren
Von der neuen Spätverbindung der Deutschen Bahn freitagabends aus Berlin profitieren Wolfsburg und Hannover. Sie sind direkt angebunden. Für Braunschweiger Bahnkunden bleibt nur ein Pendelbus. Sie empören sich: "Das Oberzentrum wurde abgehängt."
Der IC-Zug der neuen Spätverbindung eine Kooperation der Deutschen Bahn mit der Volkswagen AG und der Stadt Wolfsburg startet um 23.24 Uhr am Berliner Ostbahnhof (Berlin Hauptbahnhof 23.34 Uhr) und erreicht Wolfsburg um 0.49 Uhr. Von dort aus bietet der Zweckverband Großraum Braunschweig einen Busanschluss nach Braunschweig. Ankunft: 1.53 Uhr am Rathaus.
Warum, so fragen verärgerte Bahnkunden, profitieren nur Wolfsburger und Hannoveraner Geschäftsreisende und Tagesausflügler von der neuen Verbindung? Warum fährt der Spät-IC-Zug nicht über Braunschweig?
"Braunschweig ist keinesfalls abgehängt, und es ist auch nicht unser Ziel, Braunschweig abzuhängen", erklärt eine Bahnsprecherin auf Anfrage. Dass die Spätverbindung nicht über die Löwenstadt geführt werde, liege daran, dass die Trasse mit Güterverkehr ausgelastet sei. "In den späten Abendstunden ist sie voll."
Auslastungszahlen der neuen Spätverbindung aus Berlin lägen noch nicht vor, erklärt die Bahnsprecherin weiter. Die Verbindung sei zur Probe bis 12. Dezember eingerichtet. Gleichzeitig verweist die Sprecherin auf die Direktverbindungen aus Berlin nach Braunschweig freitagabends um 19.42 (an 20.56 Uhr), samstag um 18.40 (an 19.56 Uhr) und sonntags um 20.39 Uhr (an 21.56 Uhr). Auch spätere Verbindungen aus Berlin seien möglich, dann allerdings mit Umstieg in Wolfsburg.
Vor diesem Hintergrund sei es absolut erforderlich, dass die Weddeler Schleife zweigleisig ausgebaut werde, betont der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller. "Dann hat man die Kapazität, Personen- und Güterverkehr gleichzeitig fließen zu lassen." Es könne nicht sein, dass Verkehrspolitik wie zu Zeiten der DDR gemacht werde, als die Züge an den Menschen vorbeifuhren. Noch in der Probephase will Müller auf die Bahn einwirken, dass komplementär zum 6.01-Uhr-Frühzug von Braunschweig nach Berlin ein Spätzug in umgekehrter Richtung eingesetzt wird.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Carola Reimann meint: "Das Angebot ist verbesserungswürdig." Sie war bei der Eröffnung in Berlin dabei und erfuhr, dass Stadt Wolfsburg und Volkswagen sich für diese Spätverbindung sehr ins Zeug gelegt hatten. Die Initiative für ein solches Angebot müsse auch von der Kommune ausgehen sie sei jedoch bislang nicht angesprochen worden. Generell fehlt ihrer nach Ansicht eine spätere Verbindung aus Berlin nach Braunschweig als die vorhandenen.
Stadtsprecher Jürgen Sperber erklärte auf Anfrage: "Es wäre wünschenswert, wenn der Zug künftig auch in Braunschweig halten würde." Die Stadt werde sich diesbezüglich an die Bahn wenden.
Björn Gryschka vom Fahrgastverband Pro Bahn sagt: "Den Nachtzug könnte man sich komfortabler vorstellen." Auch er halte es für wünschenswert, dass das Oberzentrum Braunschweig von der Spätverbindung aus Berlin profitieren würde.













