Demonstrationen gegen das angebliche "Flashmob-Verbot"
Versammlungsort Schlossplatz genehmigt, Aktion auf dem Burgplatz nicht
Der Schlossplatz ist ganz offenbar zum attraktivsten Ort für die Menschen in dieser Stadt geworden und damit natürlich auch für Politisches und Skurriles. Gestern etwa herzten junge Frauen wildfremde Menschen.
Die jungen Frauen fragten verdutzte Fußgänger: "Möchten Sie eine kostenlose Umarmung?" Junge Leute nennen das "free hug", eben kostenlose Umarmung. Einige Passanten nahmen die Einladung dankend an. Sie spürten etwas menschliche Wärme. Eine sympathische Aktion war das. Sie ist passiert und auch schon Vergangenheit. Alles lief ganz unaufgeregt ab.
Anders sieht das bei dem abgesagten Blitzauflauf ("Flashmob") vor dem Schloss aus. Der war eigentlich als Massen-Grillparty für den 22. August über das Internet verabredet. Wie viele Menschen gekommen wären, hunderte oder gar tausende, war nicht abzuschätzen.
Weil die Verwaltung selbst Wind davon bekam und vorauseilend den Organisator auf die Sondernutzungssatzung hinwies, wurde das sommerliche Grillen vor dem Schloss abgesagt. Ein Antrag wurde nicht gestellt, heißt es bei der Stadt. Wie denn auch beim Selbstverständnis der Flashmob-Organisatoren, die etwas Spontanes auf die Beine stellen wollen.
Jetzt ist die Aufregung und die Negativ-Werbung groß. Eine Zeitung schrieb: "Braunschweig vertreibt die Internet-Meute". Die Stadt steht spießig da. Im Internet sorgt ein angebliches "Braunschweiger Flashmob-Verbot" für Furore.
Bibs-Ratsherr Peter Rosenbaum ist bei der Sache, hat eine Demonstration gegen das Flashmob-Verbot mit bis zu 400 Teilnehmern auf dem Schlossplatz angemeldet.
Auch Dirk Schadt, Organisator des verhinderten Spontan-Grillens, will seinem Unmut Luft machen. Er meldete für Sonnabend eine Sitz-Demonstration an.
Veranstaltungsort soll der Burgplatz sein, unmittelbar neben dem Löwen. Dem Ansinnen kann die Stadt allerdings nicht entsprechen, weil auf dem Burgplatz die Freiluft-Bühne für "Madama Butterfly" steht und auch die Eröffnung der Landesausstellung Otto IV. in Dom und Landesmuseum stattfindet.
Das Angebot, ebenfalls auf den Schlossplatz zu gehen, lehnt Schadt ab. Auf den Schlossplatz will er wegen der angemeldeten Rosenbaum-Demonstration nicht. Schadt schreibt in einem von ihm selbst an einen Verteiler weiter gegebenen Brief an den ersten Stadtrat, Carsten Lehmann, dass er "diesen Flashnot-Mob für eine neue und eigenständige Kunstform der Abstract Art" hält.
Lehmann wiederholt, dass es kein generelles Flashmob-Verbot gebe. Er nennt das Handeln der Verwaltung völlig einwandfrei. In der Stadt fanden bereits mehrere Flashmobs statt. Unter anderem am 1. April als Menschen auf dem Schlossplatz regungslos verharrten.













