"Ich sehe das Leiden jeder einzelnen Maus"
Tierärztin hält Tierversuche im Helmholtz-Zentrum für wissenschaftlich unsinnig
"Wissenschaftlich sinnlos, ethisch nicht zu rechtfertigen". Das ist der Kommentar der Braunschweiger Tierärztin Corina Gericke zu den Tierversuchen am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Stöckheim.
Wie die BZ berichtete, hat das Helmholtz-Zentrum auf seinem Gelände ein zusätzliches Tierhaus eröffnet. Kosten: 10 Millionen Euro. Allein in diesem Haus sind 8000 Mäuse untergebracht..
"Ich sehe das Leiden jeder einzelnen Maus", sagt Corina Gericke, wissenschaftliche Mitarbeiterin des bundesweit engagierten Vereins "Ärzte gegen Tierversuche". "Die Mäuse schreien nicht, sie zeigen ihren Schmerz nicht."
Corina Gericke: "Menschen und Mäuse bzw. Tiere anderer Arten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Anatomie, Physiologie und des Stoffwechsels wesentlich von einander. Die Krankheiten des Menschen werden zudem von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die im Tierversuch überhaupt nicht nachgeahmt werden können." Nachweislich seien die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragbar.
Nach ihren Informationen fallen 92 Prozent aller in Tierversuchen für sicher und wirksam befundenen neuen Medikamente durch die klinische Prüfung. "Weil sie unwirksam sind oder schwerwiegende Nebenwirkungen zeigen, die im Tierversuch nicht erkannt worden sind."
Die Nachahmung gelinge auch nicht mit Hilfe der Gentechnik: Seit Jahren würden gentechnisch verändert "Krebsmäuse" angeblich geheilt, "aber beim Menschen versagten alle so gefundenen Wirkstoffe".
Das Helmholtz-Zentrum, von der BZ mit diesen Argumenten konfrontiert, bleibt dabei: Tierversuche seien notwendig für die Medikamentenentwicklung, aber auch für die Grundlagenforschung. Pressereferent Bastian Dornbach: "Deutsche Wissenschaftler konnten durch Versuche an Mäusen erklären, dass es sich bei der Multiplen Sklerose um eine Autoimmunkrankheit handelt, einen Angriff des Immunsystems gegen den eigenen Körper."
Natürlich seien Tierversuche am Tier nicht hundertprozentig auf Menschen übertragbar. Das gelte aber auch für Erkenntnisse,die man in der Zellkultur gewonnen habe. "Auch wir am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung arbeiten an und mit Alternativen zu Tierversuchen. Versuche werden im Reagenzglas, in der Zellkultur und am Computer durchgeführt."
Corina Gericke ist sich sicher: "Allein die Existenz unseres Vereins bringt die Befürworter von Tierversuchen in Begründungszwang."













