Die Mauer fiel nicht nur in Berlin
Historiker der TU und ihre Geschichtsbilder zur Grenzöffnung vor 20 Jahren
"Den Fall der Mauer habe ich dann auch ganz hautnah und mitten im Trabi-Qualm in Helmstedt erlebt, und den Jubel von damals kann ich heute noch in mir spüren", erinnert sich die Historikerin Dr. Heike Christina Mätzing von der TU Braunschweig.
Gemeinsam mit ihren Studenten hat sie in den zurückliegenden Monaten Weltgeschichte aufgearbeitet, die sich auch in unserer Region abgespielt hat. "Die Mauer fiel nicht nur in Berlin", heißt ein bundesweit ausstrahlendes Projekt, das am kommenden Montag, 28. September, um 18.30 Uhr im "Haus der Wissenschaft" eröffnet wird.
Die Grenzöffnung im November vor 20 Jahren wird freilich in Geschichtsbüchern ganz überwiegend auf Ereignisse in Berlin reduziert. Das ist in deutschen Schulbüchern nicht anders als in Unterrichtsmaterialien aus England, Frankreich, USA, Russland, Österreich oder Polen, die in der Braunschweiger Schau ebenfalls präsentiert werden.
Geschichts-Schulbücher werden von Staaten verabschiedet, sollen ein bestimmtes Bild vermitteln, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. "Es sind nationale Autobiographien", formuliert es Heike Mätzing.
Doch ähnlich wie persönliche Erinnerungen unterliegt auch das nationale Gedächtnis kräftigen Stimmungsschwankungen. Dies spiegelt die von den TU-Historikern gemeinsam mit dem Braunschweiger Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung und dem Schulmuseum Steinhorst erarbeitete Ausstellung eindrucksvoll wieder.
"Außergewöhnliches Engagement der Studenten"
Und vor allem fällt auf: Abseits von Berlin ist die Wiedervereinigung in den meisten Geschichtsbüchern noch nicht angekommen. Dabei spiegelt sich im einstigen Zonengrenzgebiet unserer Region, beispielsweise in Helmstedt, Hötensleben oder im Harz, ganz große Geschichte.
Es gehört zu diesem Projekt, dass die Geschichtsstudenten im Sommersemester gerade solche Berichte recherchiert haben jenseits des politischen Symbols Berlin. "Ein außergewöhnliches Engagement der Studenten", lobt Heike Mätzing.
Die Eröffnung der Schau, die der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands zu einer Fachtagung in Braunschweig nutzt, ist nur der Auftakt zu einem noch größeren Forschungsprojekt.
Der Lehrstuhl für Geschichte und Geschichtsdidaktik der TU will gemeinsam mit dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Wolfenbüttel mit einer groß angelegten Sammlung von Erfahrungsberichten vom Leben an und mit der Grenze ein "Erfahrungsarchiv" schaffen. Dies ist Neuland, lässt auch "geteilte Erinnerungen" aufeinanderprallen. Schon jetzt zeigt sich, dass die Gefahr besteht, dass der ostdeutsche Blick auf die Ereignisse unterrepräsentiert ist oder zu schwinden droht.
Briefe der DDR-Bürger vom November 1989
In Braunschweig will man gegensteuern. Die Ausstellungsmacher sichteten beispielsweise zahllose Briefe, die im November 1989 von DDR-Bürgern an die Stadt geschrieben wurden ein Fundus, der mittlerweile im Stadtarchiv lagert und erstmals der Öffentlichkeit vorgelegt wird.
Auch andere Exponate wie Grenz-Karten der Nationalen Volksarmee der DDR aus dem Militärarchiv Freiburg sind erstmals öffentlich zu sehen.













