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09. Februar 2010
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Verzwickte Momentaufnahmen

Ein Großinvestor beißt bei Franke & Heidecke nicht an – Aber Chance für künftige Nostalgie-Serie

Von Harald Duin

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Wie ist der Stand der Dinge bei Franke & Heidecke? Seit Ende Februar dieses Jahres läuft das Insolvenzverfahren. Kein leichter Job für Insolvenzverwalter Christoph Kirchberg, sind doch die Verhältnisse verzwickt.

Von der Insolvenz nicht berührt ist das Unternehmen Rollei GmbH auf demselben Gelände an der Salzdahlumer Straße.

Franke & Heidecke wollte als eine Art Edelschmiede die Rollei-Tradition fortsetzen, brachte noch vor einigen Jahren eine Nachfolgerin (oben rechts) der legendären Rolleiflex (oben links) heraus.

Auf der ganzen Welt gibt es begeisterte Anhänger dieses Kamerasystems, und als dann im Jahr 2008 Franke & Heidecke auf der Basis der Rolleiflex-6000-Serie die Mittelformatkamera Hy6 für Profifotografen herausbrachte und mit Stolz auf der photokina präsentierte, war das für die Fachwelt durchaus ein Ereignis. Die Hy6 erhielt glänzende Kritiken, verärgerte aber im praktischen Gebrauch durch Kinderkrankheiten. Die Reklamationsrate war hoch. Geld verdienen konnte man mit der Kamera nicht, die möglicherweise durch die Insolvenz überhaupt keine Zukunft mehr hat.

Zu den hausgemachten Problemen kam die Wirtschaftskrise, in der sich mancher Kunde fragte, ob er er denn wirklich für dieses Gerät so viel Geld ausgeben möchte. Mit allem Zubehör können leicht an die 35 000 Euro zusammenkommen.

Sind die Türen von Franke & Heidecke schon verrammelt? Das nicht. Von den 131 Mitarbeitern (Stand bis März) halten momentan an die 20 Leute den Service aufrecht.

Die 16 Auszubildenden des Unternehmens sind inzwischen in anderen Betrieben der Region untergekommen. Vier halfen sich selbst. Zwölf Mal konnte Alfred Oehl, Gewerkschaftssekretär der IG Metall, sich erfolgreich einschalten. Er ärgert sich nur, dass bei diesem Kraftakt die Industrie- und Handelskammer "nicht mitgezogen hat".

Anruf bei Insolvenzverwalter Kirchberg. Hat er inzwischen einen potenten Investor gefunden, der Franke & Heidecke übernimmt und somit die Tradition des Braunschweiger Kamerabaus hochhält? Diesen Idealinvestor, sagt Kirchberg, gebe es leider nicht.

Seine Hoffnung richtet sich deshalb auf eine kleine, durchaus realistische Lösung. Er ist mit einem Investor aus Deutschland im Gespräch, der daran interessiert ist, mit 15 bis 20 Spezialisten die Rollei-Enthusiasten und Rollei-Sammler auf der Welt mit schicken Nostalgie-Serien zu erfreuen.

Die erwähnten verzwickten Verhältnisse müssen jedem Investor, der mehr will, zu denken geben. Die als Glanzstück angekündigte Hy6 ist dafür ein gutes Beispiel. Sie wurde bei Franke & Heidecke entwickelt. Aber bezahlt hat die Entwicklung zum serienreifen Produkt – den Braunschweigern fehlten die Mittel, und die Banken gaben keinen Kredit –, das Unternehmen Jenoptik in Jena. Inzwischen gingen die Rechte von Jenoptik an den amerikanischen Konzern Eastman Kodak über. Jeder Investor, der die Hy6 gerne weiterbauen möchte, muss erst einmal an diese Rechte rankommen.

Franke & Heidecke hat ferner zur Kameraproduktion benötigte Maschinen nicht gekauft, sondern nur geleast. Die Produktionsräume sind gemietet worden: von der Rollei Immobilien GmbH und Co. KG. Auch diese Umstände komplizieren die Arbeit von Christoph Kirchberg, der gleichwohl hartnäckig sich in Zuversicht übt. Wir sollen demnächst wieder anrufen.

Donnerstag, 01.10.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11044788/menuid/2048
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