"Musik ließ das Kind endlich sprechen"
Kitaleiterin überzeugt von Projekt zur musikalischen Früherziehung – Musikschullehrer unterrichten in Kitas
Dass Musik gut für die Entwicklung von Kindern ist, ist wissenschaftlich bewiesen. Doch viele Eltern können sich Früherziehung an der Musikschule nicht leisten. In der Kita Magnitorwall nehmen alle Kinder an der Früherziehung teil.
Das ermöglicht ein Programm namens "Musikkindertagesstätte", auferlegt von der niedersächsischen Landesregierung. Die städtische Kita Magnitorwall nimmt seit 2007 am Modellprojekt teil. Das Fazit der Kita-Leiterin, Ulrike Hampel, lautet bisher: "Das Projekt ist toll und sollte Standard für alle Kitas sein."
Die Kinder würden über die Musik zur Sprache finden. Hampel erzählt von zwei Kindern, deren Entwicklung beispielhaft war. "Ein Mädchen mit Migrationshintergund konnte zwar Deutsch, sprach aber weder ein Wort mit den anderen Kindern noch mit uns Erzieherinnen." Neun Monate lang blieb es stumm. Dann startete der Musikunterricht. Es trommelte und sang freudig mit. "Und plötzlich fing sie an zu sprechen, erst mit den Kindern, dann mit uns", sagt Hampel.
Ein Junge rief: "Ich bin jetzt auch Musikschule!"
Der Musikunterricht sei auch gut für das Gefühl der Chancengleichheit. "Vorher hatten nur diejenigen Musikunterricht, deren Eltern sich das leisten konnten", erklärt Hampel. Jetzt hält jedes der 50 Kinder mindestens einmal in der Woche eine Trommel in der Hand oder spielt auf einem Glockenspiel.
Hampel erzählt: "Ein Junge rief mit strahlenden Augen Ich bin jetzt auch Musikschule‘!".
Einmal in der Woche musiziert die Musikschullehrerin Friederike Cordes 45 Minuten lang mit den Kindern. "Die Drei- bis Sechsjährigen lernen über die Struktur, Melodie und Rhythmus der Musik viel besser sprechen", erklärt sie. Die Erzieherinnen organisieren zudem musikalische Ausflüge für die Kinder, zum Beispiel zu einer Generalprobe des Staatsorchesters oder auch zu einer Kinderoper.
Norbert Winkler, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie, sagt: "Ich liebe dieses Projekt." Es helfe auch dabei, Kinder zu integrieren, denn beim Musizieren sei das Gruppengefühl stark. Gerade in einer Kita wie der am Magnitorwall mit sehr vielen Kinder, die nicht gut Deutsch sprechen könnten, sei das sehr wichtig.
Hans Krauss, Leiter der Städtischen Musikschule, ist auch begeistert von der Kooperation: "Inzwischen haben uns das sogar sehr viele Musikschulen im Land nachgemacht. Das ist toll."
FAKTEN:
Seit 2007 gibt es das Modellprojekt "Musikkindertagesstätte".
In Braunschweig nahm die Kita Magnitorwall als erste daran teil. Künftig bieten auch die Kitas Muldeweg und Recknitzstraße Musikunterricht für alle.
Das Land hat das Projekt trägt nur einen Teil der Kosten. Deshalb sind die Borekstiftung und die Stiftung "Unsere Kinder in Braunschweig" mit in die Finanzierung eingestiegen.













