Arge-Mitarbeiter protestieren mit Mahnwache gegen Arbeitsbedingungen
Starker Stress und hoher Krankenstand Gewerkschaft Verdi fordert, die Belastung deutlich zu verringern
Dass viele Hartz-IV-Empfänger mit der Arbeit der Arge unzufrieden sind, ist bekannt. Doch auch die Mitarbeiter der Hartz-IV-Arbeitsgemeinschaft sind unzufrieden. Am Montag um 17 Uhr werden sie am Cyriaksring für bessere Arbeitsbedingungen protestieren.
Zur Mahnwache werden nach Angaben von Verdi rund 160 Mitarbeiter aus den sechs Argen von Braunschweig, Salzgitter, Helmstedt, Gifhorn und Wolfsburg erwartet. Der außergewöhnliche Protest, so Verdi-Sprecher Michael Aschenbach, sei die Antwort der Mitarbeiter auf außergewöhnlich schlechte Arbeitsbedingungen.
Der Protest, so der Verdi-Sprecher, richte sich allerdings nicht gegen die Träger der Arge, in Braunschweig sind das die Stadt und die Arbeitsagentur, sondern gegen die Politik der Bundesregierung, die durch jahrelange Untätigkeit das Fass hätte überlaufen lassen.
Wie es hinter den Kulissen der Arge aussieht, und was die Mitarbeiter so aufbringt, davon berichtet Sabine Asendorf. Sie ist Sprecherin der Verdi-Vertrauensleute der Arbeitsagentur Braunschweig. Sie sagt: "Nach dem sogenannten Arge-Betreuungsschlüsseln ist ein Mitarbeiter für 130 Bedarfsgemeinschaften zuständig. Wie diese Zahl zustande kam, kann niemand erklären. Sie wurde ganz offenbar willkürlich gewählt. In der Praxis ist es nicht möglich, ohne Überlastung diese Vorgabe zu erfüllen." Eine Überprüfung der Vorgabe sei überfällig.
Denn die Folgen seien gravierend: "Jeder Arge-Mitarbeiter weiß, dass er nicht über Anträge auf Abwrackprämie entscheidet, sondern im schlimmsten Fall darüber, ob ein Hartz-IV-Empfänger am nächsten Tag etwas zu essen hat. Das sind Vorgänge, die keinen Aufschub vertragen." In der Praxis heiße das: "Selbst bei Kollegen, die als belastbar galten, ist der Stress so groß, dass sie krank werden."
Der Krankenstand, so die Sprecherin, sei hoch, die Fluktuation ebenso, und die geplante Neuordnung der Arge im nächsten Jahr werde alles wohl nur schlimmer machen: "Im Augenblick sieht es so aus, als erhielten viele Kollegen völlig neue Aufgabenfelder. Doch das Sozialrecht ist höchst kompliziert. Weil die Praxiserfahrung in den neuen Aufgabenfeldern fehlt, ist es absehbar, dass die Arbeit darunter leidet und Stress und Krankheiten weiter zunehmen."













